Backwaters-Touren in Kerala: Per Hausboot, Fähre und Kanu durch Südindien

Eine Backwaters-Tour zählt zu den Höhepunkten einer Reise durch Kerala in Südindien. Dabei gibt es drei Möglichkeiten, die Wasserlandschaft zu erkunden: auf einem Hausboot, per öffentlicher Fähre und mit einem Kanu.

Der Bundesstaat Kerala in Südindien ist berühmt für seine Backwaters. Dabei handelt es sich um eine weit verzweigte Wasserlandschaft im Hinterland. Diese Region, die auch Kuttanad heißt, erstreckt sich parallel zur Malabarküste über rund 80 Kilometer von Kochi bis nach Kollam.

Eine Bootstour durch die Backwaters zählt zu den touristischen Höhepunkten einer Rundreise durch Kerala. Dabei geht es über breite Flüsse, überwucherte Seen und durch schmale Kanäle. Auf diesem dichten Netz an Wasserwegen wurden früher Gewürze, Kokosbast und andere Produkte von den Erzeugern zum Meer transportiert und dort auf große Schiffe verladen.

Für die Erkundung der Backwaters gibt es drei verschiedene Möglichkeiten: auf einem Hausboot, per öffentlicher Fähre und mit einem Kanu. Alle Varianten haben ihre eigenen Reize.

Mit dem Hausboot durch die Backwaters von Kerala

Die sicherlich stilvollste und bequemste Art des Reisens durch die Backwaters ist eine Tour mit Übernachtung auf einem sogenannten Kettuvallam, einer umgebauten Reisbarke. Mehrere Hundert dieser Hausboote soll es allein nahe der Stadt Alappuzha (auch Alleppey) geben. Manche sind sehr gut ausgestattet: mit klimatisierten Schlafzimmern, gekühltem Weinschrank, Sonnendeck und zum Teil sogar mit Swimmingpool! Am unteren Ende der Preisskala dürfen Reisende keinen Luxus erwarten. So soll es durchaus vorkommen, dass nachts Ratten über die Holzplanken huschen.

Tagsüber fährt man über die Wasserstraßen und besucht Dörfer. Zwischendurch serviert der mitreisende Koch indische Spezialitäten. Abends wird das Boot am Ufer festgemacht.

Die stilvollste und bequemste Art des Reisens durch die Backwaters von Kerala ist eine Tour mit Übernachtung auf einem Kettuvallam, einer umgebauten Reisbarke

Manche Hausboote sind sehr gut ausgestattet: mit klimatisierten Schlafzimmern, gekühltem Weinschrank, Sonnendeck und zum Teil sogar mit Swimmingpool! Am unteren Ende der Preisskala dürfen Reisende keinen Luxus erwarten

Wir entscheiden uns gegen die Hausboot-Variante. Zum einen ist sie relativ teuer: Die Preise für eine Tour mit Übernachtung beginnen in der Hauptsaison bei etwa 100 Euro und sind nach oben hin offen. Zum anderen reichen uns ein paar Stunden auf dem Wasser. Denn die Kulisse ähnelt sich. Außerdem haben wir die Befürchtung, dass sich unsere dreieinhalbjährige Tochter Emma an Bord langweilen könnte. Mit den richtigen Leuten und abends in netter Runde kann so eine Tour auf dem Hausboot natürlich ein tolles Erlebnis sein!

Für das Ökosystem stellen diesen vielen Schiffe allerdings eine Belastung dar. Immer mehr Öl gelangt ins Wasser, und der Motorenlärm stört die Vögel an ihren Nistplätzen.

Mit der öffentlichen Fähre durch die Backwaters

Mit Abstand am günstigsten lassen sich die Backwaters mit öffentlichen Fähren bereisen. Diese verbinden mehrmals täglich verschiedene Orte in der Region Kuttanad. Zu den bekanntesten Routen gehört die Ganztagsfahrt – mit vielen Touristen – von Alappuzha nach Kollam.

Bootsanleger in Alappuzha. Mit Abstand am günstigsten lassen sich die Backwaters mit öffentlichen Fähren bereisen

Wir fahren für zehn Rupien pro Person – umgerechnet 13 Cent – mit der öffentlichen Fähre in knapp drei Stunden von Alappuzha nach Kottayam. Anfangs legen wir alle paar Hundert Meter an, später dann nur noch an Dörfern. Passagiere steigen zu. Die mitreisende indische Familie neben uns packt ihr Mittagessen aus und lässt es sich schmecken. Unsere Tochter Emma verschläft einen Großteil der Reise.

Wir fahren mit der öffentlichen Fähre von Alappuzha nach Kottayam

Die Fahrt führt durch dichte tropische Vegetation und ermöglicht Einblicke ins ländliche Kerala. Viele Greifvögel und Kormorane sind zu sehen – und Palmen, Palmen, Palmen. Aufgrund der Überdüngung der Felder wuchert es auch im Wasser. Deshalb kommen uns immer weniger Hausboote entgegen. Die letzten zehn Kilometer bis nach Kottayam sind gar nicht mehr befahrbar. Der komplette Fluss ist zugewachsen mit Pflanzen. Darum nehmen wir eine Rikscha ins Stadtzentrum.

Ankunft spätnachmittags in Kottayam. Schnell ein Zimmer im erstbesten Hotel am Busbahnhof beziehen – im Arcadia* – und sofort ab in die 14. Etage zum Swimmingpool auf dem Dach

Mit einem Kanu durch die Backwaters

Wieder einen anderen Eindruck von den Backwaters vermittelt die Fahrt mit einem Kanu. Statt auf breiten Wasserstraßen gleiten die kleinen Boote gemächlich, umweltschonend und ohne Lärm durch schmale Kanäle, in die die motorisierten Schiffe gar nicht kommen.

Statt auf breiten Wasserstraßen gleitet ein Kanu gemächlich und ohne Lärm durch die schmalen Kanäle

Wir unternehmen so einen Halbtagsausflug von Varkala aus. Für 1500 Rupien (knapp 20 Euro) fahren wir mit der Rikscha in 90 Minuten nach Munroe Island (auch Monroe Island) in der Nähe der Stadt Kollam. Dort lassen wir uns für 1000 Rupien (gut 13 Euro) rund zweieinhalb Stunden mit einem Kanu durch die Gegend schippern. Die Tour erinnert ein bisschen an den Spreewald oder ans Mekong-Delta. Wir fahren durch schmale Kanäle. Manchmal müssen wir uns bücken, wenn es unter kleinen Brücken durchgeht. Nur wenige andere Boote kreuzen unseren Weg.

Wir fahren nach Munroe Island und lassen uns rund zweieinhalb Stunden mit dem Kanu durch die Gegend schippern. Ein Schirm schützt vor der Sonne

Im Wasser spiegeln sich Palmen. Wir sehen Adler, Kormorane und viele andere Vögel. Manchmal stoppt der Bootsmann und führt uns in ein Dorf. Dort zeigt er uns Pfeffer-, Ingwer-, Nelken-, Ananas- und Bananenpflanzen sowie Cashew- und Mandelbäume. Und wie aus Kokosfasern Seile hergestellt werden. Zwischendrin gibt es eine Kokosnuss für Emma und einen Chai für mich. Ein schöner Ausflug, auch für unsere Tochter!

Kokospalmen überall

Zum Greifen nah: Unterwegs sehen wir Kormorane und viele andere Vögel

Der Bootsmann führt uns in ein Dorf

Diese Frau stellt aus Kokosfasern Seile her

Eine schöne Backwaters-Tour, auch für Emma!

Organisatorisches

Beliebteste Ausgangspunkte für Backwaters-Touren sind die Städte Kochi (auch Cochin oder Ernakulam), Alappuzha (Alleppey) und Kollam (Quilon). Aber im Grunde lassen sich diese Ausflüge überall in Kerala organisieren, häufig auch ohne Reisebüro. Das Angebot ist riesig. Deshalb ist es selbst in der Hauptsaison überhaupt kein Problem, Backwaters-Touren kurzfristig vor Ort zu buchen.

Wer während seiner Kerala-Reise so wenig wie möglich umziehen will, kann von Kochi aus unterschiedliche Backwaters-Tagestouren unternehmen, sowohl organisiert, als auch auf eigene Faust. Eine Möglichkeit wäre es, mit dem öffentlichen Bus in 90 Minuten nach Alappuzha zu fahren, dort eine Fähre nach Kottayam zu nehmen (zweieinhalb bis drei Stunden) und anschließend von dort in zwei Stunden mit dem Bus wieder zurück nach Kochi zu fahren. Ein langer Tagesausflug, der keine fünf Euro pro Person kostet. Wer es bequemer mag, mietet sich dafür ein Taxi. Reisebüros in Kochi organisieren Tagestouren inklusive einigen Stunden auf einem Hausboot und einer Kanufahrt.

Tickets für die öffentlichen Fähren können nicht vorgebucht werden. Einfach 15 Minuten vor Abfahrt am Bootsanleger sein.

Wer länger in den Backwaters verweilen möchte, kann in einem der vielen Homestays und Öko-Resorts übernachten. Eine große Auswahl gibt es unter anderem bei Booking.com*.

Eine Backwaters-Tour lässt sich gut mit Strandurlaub kombinieren. Geeignete Strände dafür sind Varkala, der Marari Beach bei Alappuzha sowie der Cherai Beach bei Kochi.

Eine Backwaters-Tour lässt sich gut mit Strandurlaub kombinieren. Dafür eignet sich zum Beispiel der Marari Beach in der Nähe der Stadt Alleppey

Noch mehr Reiseberichte…

Noch mehr Reiseberichte über die Backwaters von Kerala gefällig? Auch andere Reiseblogger schildern ihre Eindrücke. Lesenswert sind zum Beispiel:

Beste Reisezeit für Kerala

Die trockenen Monate Oktober bis April gelten als beste Reisezeit. Klimatisch am angenehmsten dürften es zwischen Dezember und Februar sein. Bei unserem Aufenthalt Ende März ist es sehr schwül und heiß – tagsüber 35 Grad Celsius.

Auslandsreisekrankenversicherung

Wichtig! Unbedingt eine gute Auslandsreisekrankenversicherung abschließen, zum Beispiel von TravelSecure*, dem Testsieger bei Stiftung Warentest. Die Kosten dafür sind überschaubar. Aber falls wirklich etwas Ernsthaftes passiert, wird es schnell sehr teuer.

Reiseführer

Die Auswahl an deutschsprachigen Reiseführern über Indien ist groß. Umfangreiche Kapitel zu Kerala bieten unter anderem der „Lonely Planet Reiseführer Südindien und Kerala“* sowie der „Stefan Loose Reiseführer Indien, Der Süden“*.

Die Backwaters von Kerala sind eine faszinierende Wasserlandschaft in Südindien

Hast Du auch schon eine Backwaters-Tour in Kerala mitgemacht? Wie hat es Dir gefallen?

Text und Fotos: Heiko Meyer

* Dies sind Affiliate-Links. Wenn Du darüber bestellst oder buchst, erhalte ich eine kleine Provision. Du bezahlst aber keinen Cent mehr!

Diese Beiträge könnten Dich ebenfalls interessieren:

Beach-Hopping in Kerala, Südindien: Die schönsten Strände
Südindien: Kochis Highlights und der Cherai Beach in Bildern
Varkala Beach, Südindien: Schöner Strand, steiles Cliff und viele Ausflüge
Packliste für Reisen mit Babys und Kleinkindern in Asien (Thailand, Malaysia, Indien & Co.)
Ladakh, Indien: Bilder einer Reise in den Himalaya

Lob? Kritik? Anmerkungen? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar!

Gefällt Dir unser Blog? Dann folge uns auf Facebook oder Twitter und werde über jeden neuen Beitrag informiert!

Print Friendly, PDF & Email

5 Gedanken zu „Backwaters-Touren in Kerala: Per Hausboot, Fähre und Kanu durch Südindien

  1. Melanie

    Hallo Ihr Beiden,

    ganz lieben Dank für die Verlinkung! Hach, ich denke immer sehr gerne an Südindien und vor allem an die paar Tage in den Backwaters zurück. Die Landschaft, die Atmosphäre… Mich hat es einfach verzaubert! Und bei eurem Bericht möchte ich gleich am liebsten wieder einen Flug zurück buchen!

    LG aus Santorini,
    Melanie

    Antworten
  2. Pingback: Reisebericht Arambol Beach, Indien: Mit Kind am schönsten Strand in Goas Norden - Wo der Pfeffer wächst – Reisen und Speisen

  3. Pingback: Anjuna Beach, Goa: Schöner Strand mit riesigem Flohmarkt - Wo der Pfeffer wächst – Reisen und Speisen

  4. Pingback: Reisebericht Vagator Beach, Goa: Schöne Strände und das Chapora-Fort - Wo der Pfeffer wächst – Reisen und Speisen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.