Seidenstraße in Usbekistan: Meine Eindrücke aus Buchara

Islamische Prachtbauten, überkuppelte Basare, schöne Altstadt: Buchara in Usbekistan hat Besuchern viel zu bieten. Es folgen Eindrücke von der Seidenstraße.

Sechs Stunden benötigt das Taxi von der Oasenstadt Chiwa ins rund 450 Kilometer entfernte Buchara (auch Bukhara oder Buxoro). Die Fahrt auf der usbekischen Autobahn A 380 führt vorbei an Sanddünen, Büschen und Erdgasleitungen durch die lebensfeindliche Wüste Kizilkum (Kyzylkum). Sogar Schaf- und Ziegenherden sind zu sehen. Aber wo die Tiere grasen, bleibt ein Rätsel. Am Straßenrand stehen vereinzelt Pappattrappen von Polizeiautos. Sie sollen die Fahrer vom Rasen abhalten – was angesichts der vielen Schlaglöcher sowieso kaum möglich scheint.

Mittags halten wir an einem Bretterverschlag inmitten der Steinwüste. Dort trinken müde Menschen Tee und hinterlassen ihren Müll. Das grelle Licht beißt in den Augen. Es ist extrem heiß, fast 50 Grad Celsius. Tatsächlich wagen sich einige gut ausgerüstete Radfahrer auf diese Straße. So von Chiwa nach Buchara? Das schaffen die nie an einem Tag! Als es weiter geht, kommen wir an einem liegengebliebenen Bus vorbei. Die Passagiere kauern im Schatten und bitten die Vorbeifahrenden um Wasser. Um so mehr freue ich mich über die Entscheidung für das Taxi. Auch wenn es keine Klimaanlage, nur eine Lüftung gibt.

Viele Sehenswürdigkeiten in Buchara

Buchara in Usbekistan war schon zu Zeiten der Seidenstraße ein blühendes Handelszentrum. Heute wohnen knapp 250.000 Menschen in der modernen, zentralasiatischen Stadt. Viele historische Bauten sind erhalten und einige Sehenswürdigkeiten über 1000 Jahre alt. Deshalb gehört Buchara zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird häufig von Touristen besucht.

Ein Hingucker ist das über 45 Meter hohe Kalon-Minarett. Leider ist es nicht mehr möglich, hinaufzusteigen. Denn von oben böte sich ein toller Rundblick. In direkter Umgebung befinden sich die Kalon-Moschee sowie die Mir-i-Arab-Medresse, beides sehr beeindruckende Monumente islamischer Architektur.

Über 45 Meter hoch: das Kalon-Minarett in Buchara

Islamische Prachtbauten: die Kalon-Moschee und das Kalon-Minarett…

… ebenso wie die Mir-i-Arab-Medresse gleich gegenüber

Abendstimmung vor der Mir-i-Arab-Medresse

Bucharas Sehenswürdigkeiten lassen sich gut zu Fuß erkunden

Ebenfalls sehenswert sind die Medressen (Koranschulen) Ulug Beg und Abdulasis Khan sowie die kolossalen Festungsmauern des Ark, des ehemaligen Wohn- und Regierungssitzes der Emire von Buchara. Aus dem zehnten Jahrhundert stammt das Samaniden-Mausoleum und gilt damit als das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Von dort ist es nicht mehr weit zum Markt.

Ebenfalls sehenswert: die Ulug-Beg-Medresse

Die kolossalen Stadtmauern des Ark

Der Ark war der ehemalige Wohn- und Regierungssitz der Emire von Buchara

Das Samaniden-Mausoleum stammt aus dem zehnten Jahrhundert und gilt damit als das älteste erhaltene Gebäude Bucharas

Vom Samaniden-Mausoleum ist es nicht mehr weit bis zum Markt

Frisch gebackenes Brot gefällig?

Mitten in einem Wohnviertel befindet sich die kleine Tschor-Minor-Medresse, inzwischen ein Wahrzeichen Bucharas. Mit ihren vier Türmen zierte sie bis vor Kurzem das Cover des Reiseführers „Lonely Planet Central Asia„*.

Mitten in einem Wohnviertel befindet sich die Tschor-Minor-Medresse

Atmosphärische, autofreie Altstadt

Auch in der atmosphärischen, autofreien Altstadt gibt es viel zu entdecken. Zum Beispiel die überkuppelten Basare. Sicher wussten die Karawanen, die früher entlang der Seidenstraße zogen, nach ihren Reisen durch die Wüste die überdachten, schattigen Märkte von Buchara zu schätzen. Heutzutage weisen die Verkäufer der Souvenirstände Touristen höflich, aber bestimmt auf ihre Produkte hin.

In der atmosphärischen, autofreien Altstadt gibt es viel zu entdecken. Zum Beispiel die überkuppelten Basare

Es lohnt sich, einen Blick in die Hinterhöfe zu werfen. Dort kommt es immer wieder zu spontanen Begegnungen. Ob diese Kinder freiwillig Teppiche knüpfen? Kinderarbeit ist keine Seltenheit in Usbekistan

Sicher wussten die Karawanen, die früher entlang der Seidenstraße zogen, nach ihren Reisen durch die Wüste die überdachten, schattigen Märkte von Buchara zu schätzen

Heutzutage weisen die Verkäufer der Souvenirstände Touristen höflich, aber bestimmt auf ihre Produkte hin

Abends in den Sommermonaten gilt der Labi Chaus (auch Labi Hauz oder Lyab-i Hauz) als der Treffpunkt schlechthin. An dem von historischen Gebäuden und knorrigen Maulbeerbäumen flankierten Platz rund um ein Wasserbecken herrscht eine schöne Stimmung wie auf dem Jahrmarkt. Hochzeitsgesellschaften ziehen ihre Runden, Männer spielen Domino, Familien lassen sich vor der Statue von Nasreddin auf einem Esel fotografieren. Es gibt Cafés und Eisstände, und viele Touristen und Einheimische füllen die Plätze in den beiden teureren Restaurants.

Abends gilt der Labi Chaus (auch Labi Hauz oder Lyab-i Hauz) als der Treffpunkt schlechthin

Historische Gebäude flankieren den zentralen Platz in Bucharas Altstadt

Auf dem Labi Chaus herrscht eine schöne Stimmung wie auf dem Jahrmarkt

Hochzeitsgesellschaften ziehen ihre Runden

Männer spielen Domino

Familien lassen sich vor der Statue von Nasreddin auf einem Esel fotografieren

Gute Restaurants in Bucharas Altstadt

In Bucharas Altstadt gibt es mehrere gute Restaurants mit klimatisierten Räumen für tagsüber und einer Terrasse für laue Abende. Bei meinem Besuch ist das Café Minzifa nahe am Labi Chaus eine der beliebtesten Adressen mit guter Auswahl für Vegetarier, moderaten Preisen und aufmerksamem Personal. Gleich in der Nähe befindet sich das Saroy. Auch dort lässt es sich auf einer schönen Terrasse speisen.

Es muss nicht immer Fast Food sein. Denn in Buchara gibt es gute Restaurants

Seltsame Begegnungen in Buchara

Buchara ist aufgrund guter Infrastruktur und kurzen Wegen eine geeignete Station, um einen Ruhetag einzulegen, um mal Urlaub vom Reisen zu machen.

Natürlich wecken die vielen Touristen Begehrlichkeiten. Einmal sieht ein Einheimischer, dass ich einen deutschen Reiseführer in der Hand halte und spricht mich in meiner Sprache an. „Guten Tag, wie geht es Ihnen?“, fragt er. „Gut. Sie sprechen Deutsch?“ „Ja, natürlich.“ Nach ein wenig Smalltalk bittet er mich, ihn ins Hospital zu begleiten. Ich sage, dass ich andere Pläne habe. Dann fordert er mich auf, ihm 20 Dollar zu geben. Das würde den Kranken sehr helfen. Oder wenigstens zehn. Aber ich erkläre ihm, dass ich einen Ausflug zur Nekropole Tschor Bakr machen möchte und verabschiede mich.

Ein interessanter Ausflug von Buchara führt zur Nekropole Tschor Bakr

Generell sind die Deutschen in Usbekistan sehr angesehen. Häufig werde ich mit Handschlag begrüßt oder zum gemeinsamen Foto gebeten, wenn Einheimische von meiner Herkunft erfahren. Dennoch bin ich mir nicht sicher, welches Deutschland-Bild die Usbeken haben. Klar, Fußball und Auto sind immer Gesprächsthemen. Aber zweimal werde ich in Buchara tatsächlich seltsamerweise mit „Heil Hitler“ begrüßt.

Die seltsamen Begegnungen bleiben absolute Ausnahmen. Meist sind die Menschen sehr freundlich…

…und freuen sich über ausländische Besucher

Unterkünfte in Buchara

Neben Samarkand ist Buchara der am meisten von Ausländern besuchte Ort Usbekistans. Entsprechend gibt es eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten. Unterkünfte verschiedener Preisklassen lassen sich unter anderem bei Booking.com* und Agoda* vorbuchen.

Gute, zentral gelegene Budgetunterkünfte kosten vor Ort um die 20 Euro pro Nacht mit Frühstück. Das beste Preisleistungsverhältnis gibt es in der Mittelklasse.

Anreise und Weiterreise Buchara

Uzbekistan Airways fliegt täglich von der Hauptstadt Taschkent (IATA-Code: TAS) nach Buchara (BHK). Einmal pro Woche (freitags) gibt es einen Flug nach Fergana (FEG). Mehrmals wöchentlich kann man von Urgench (UGC) bei Chiwa nach Buchara fliegen – aber nicht in die entgegengesetzte Richtung. Passende Flüge suche ich am liebsten bei Skyscanner*. Dort lassen sich nicht nur die besten Langstreckenverbindungen, sondern auch gute Angebote regionaler Fluggesellschaften finden.

Flugverspätung? Flugausfall? Flightright* hilft bei der Durchsetzung von Fluggastrechten – und sorgte dafür, dass uns die Airline eine Entschädigung zahlte. Ein Erfahrungsbericht.

Busse und Sammeltaxis nach Samarkand, Taschkent und Urgench beziehungsweise Chiwa fahren vor allem morgens. Sie sind die günstigsten Verkehrsmittel.

Zugfahrkarten kaufen in Usbekistan

Angenehm ist die Reise nach Samarkand oder Taschkent mit dem Zug. Während Fahrkarten in Indien, Thailand und Co. an jeder Ecke in Reisebüros erhältlich sind, werden sie in Usbekistan nur an speziellen Ticketschaltern verkauft. Die Arbeitsmoral der Angestellten dort ist sowjetisch-kommunistisch geprägt.

Als ich eine Fahrkarte nach Samarkand erwerben möchte, treffe ich auf eine Verkäuferin in Uniform mit strengen Gesichtszügen. Es scheint, als hätte sie noch niemals in ihrem Leben jemanden gegrüßt. Obwohl es sich bei Buchara um einen der touristischen Hotspots Usbekistans handelt, versteht sie kein Englisch. Stattdessen zeigt sie durch Desinteresse und Falschaussagen, dass sie in diesem Job völlig falsch besetzt ist. Erst gibt es angeblich nur noch Zugtickets in der „Business Class“. Dann plötzlich, als ein wartender Usbeke vermittelt, dann doch noch „Economy“. Dafür versucht die uncharmante Dame bei der Übergabe des Tickets eine „Service-Charge“ für ihre nicht erbrachte Leistung geltend zu machen. Protestieren hilft.

Der Bahnhof  von Buchara liegt zehn Kilometer außerhalb der Stadt und ist wie ein Flughafen gesichert. Es gibt diverse Pass-, Ticket- und Gepäckkontrollen. Auf dem Bahnsteig bewachen Polizisten den Zug. „Keine Fotos“, gibt mir einer zu verstehen. An jedem Waggon stehen zwei Bahnmitarbeiter in Uniform. Schließlich startet der „Sharq Express“ um 8.40 Uhr in Buchara und erreicht um 11.38 Uhr den Bahnhof von Samarkand.

Die Menschen in Buchara und überhaupt in Usbekistan sind wirklich sehr freundlich. Doch sobald sie eine Uniform anhaben, trifft man häufig auf strenge Gesichtszüge und sowjetisch-kommunistisch geprägte Arbeitsmoral

Auslandsreisekrankenversicherung

Wichtig! Unbedingt eine gute Auslandsreisekrankenversicherung abschließen, zum Beispiel von TravelSecure*, dem Testsieger bei Stiftung Warentest. Die Kosten dafür sind überschaubar. Aber falls wirklich etwas Ernsthaftes passiert, wird es schnell sehr teuer.

Reiseführer Usbekistan

Mit zunehmender Beliebtheit von Usbekistan steigt auch die Auswahl an Reiseliteratur. Die meisten Touristen sind mit dem englischsprachigen „Lonely Planet Central Asia Multi-Country Guide“* unterwegs. Dieser bietet die besten praktischen Informationen. Sinnvoll sind die übersichtlich präsentierten Zusammenfassungen und Wertungen der einzelnen Orte.

Auf Deutsch gibt es das aktuelle „DuMont Reise-Handbuch Usbekistan“*. Es enthält eine Fülle an Informationen zu Land und Leuten sowie zu allen wichtigen touristischen Regionen. Mir persönlich sind es manchmal einfach zu lange Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten. Aber besser zu viel als zu wenig. Ebenfalls aktuell ist der „Reiseführer Usbekistan: Entlang der Seidenstraße nach Samarkand, Buchara und Chiwa“* aus dem Trescher-Verlag.

Auf Wiedersehen, Buchara!

Warst Du schon in Usbekistan? Wie hat Dir Buchara gefallen?

Text und Fotos: Heiko Meyer

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3 Gedanken zu „Seidenstraße in Usbekistan: Meine Eindrücke aus Buchara

  1. Michi

    Sehr eindrucksvoll beschrieben – auch deine Begegnungen vor Ort kann ich direkt vor mir sehen!
    Vor zwei Wochen war ich selbst noch in Usbekistan. Mir hat Buchara viel besser gefallen als erwartet. Samarkand war der Grund, warum ich unbedingt nach Usbekistan reisen wollte, von Chiwa haben mir alle Usbekistan-Reisenden vorgeschwärmt. Vielleicht war Buchara deshalb die Stadt, die mich am meisten überrascht hat – natürlich nur im positiven Sinne. Wie du fand ich es auch sehr schade, dass man das Kolon-Minarett nicht mehr besteigen kann.

    Antworten
    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Michi,

      danke für Deinen Kommentar! Da haben wir uns ja knapp verpasst! Ja, in Buchara gibt´s viel zu sehen, und man kann es gut aushalten. Bin gespannt auf Deine Berichte!

      Viele Grüße,
      Heiko

      Antworten
  2. Pingback: Stopover in Maskat (Muscat), Oman: Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten - Wo der Pfeffer wächst – Reisen und Speisen

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