Essaouira, Marokko: Eindrücke unserer Reise mit Kind

Essaouira in Marokko begeistert uns mit einer zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Altstadt, einem malerischen Hafen und einem schönen Strand. Ein Reisebericht mit vielen Fotos.

Mit dem Bus reisen wir weiter nach Essaouira an Marokkos Atlantikküste. Obwohl die 80.000-Einwohner-Stadt auf den ersten Blick keine herausragenden Sehenswürdigkeiten zu bieten scheint, zieht sie viele Touristen an. Verständlich! Denn Essaouira besticht mit unterschwelligem Charme. Weiß und Blau sind die dominierenden Farben, was uns an Südportugal oder auch Griechenland erinnert. Einige Häuser wirken herausgeputzt, andere heruntergekommen.

Vier Tage bleiben wir in Essaouira. Es hätten durchaus einige mehr sein können. Die Atmosphäre ist entspannt, das Klima angenehm, der Verkehr überschaubar. Das Leben erscheint einfach und spielt sich auf der Straße ab. Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Sonne, Wolken, Luft und Wasser. „Voll schön hier. Hier könnte ich mir vorstellen, länger zu leben“, stellt Julia fest. Auch unsere Tochter Emma ist zufrieden und spielt stundenlang vor sich hin. „Ich wünschte, wir würden hier für immer wohnen“, sagt sie einmal sogar.

Weiß und Blau sind die dominierenden Farben in Essaouira

UNESCO-Weltkulturerbe: Die Medina von Essaouira

Essaouira trägt den Beinamen „windige Stadt“. Das wird schon bei der Ankunft deutlich. Der Wind pfeift durch die Gassen der Medina, die seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Und obwohl die Sonne scheint, ist es deutlich kühler als in Marrakesch. Errichtet wurde die Altstadt im 18. Jahrhundert während der portugiesischen Kolonialzeit, als Essaourira noch Mogador hieß. Im Gegensatz zu anderen Medinas in Marokko ist diese symmetrisch angelegt. Deshalb finden wir uns in den geradlinigen, parallel verlaufenden Straßen viel schneller zurecht als etwa in Fès. Was uns gut gefällt, vor allem weil wir mit Kind unterwegs sind: Es nerven kaum Mopedfahrer, die durch die Gassen rasen.

Mehrere Stadttore öffnen den Weg in die Altstadt. Auf der Hauptstraße, die am Uhrenturm vorbeiführt, findet täglich ein Markt statt. Für einen Beutel voller Gemüse zahlen wir acht Dirham (11,26 Dirham entsprechen einem Euro). Obst ist etwas teurer. Dazu Brot (ein Dirham), Wasser (sechs Dirham) und Minze (ein Dirham).

Olivenhändler in der Medina von Essaouira

In Essaouira leben viele Muslime. Die älteren Männer tragen ein langes Gewand und eine traditionelle Kopfbedeckung, fast alle Frauen Kopftuch, manche sind vollverschleiert. Die jungen Leute sind eher in Jeans und T-Shirt unterwegs. Mehrmals täglich ruft der Muezzin zum Gebet. Als Nicht-Muslime dürfen wir die Moscheen nicht betreten. Aus Läden und Taxis tönt häufig religiöse Musik.

Fast alle Frauen tragen Kopftuch

Generell lassen sich die Einheimischen nicht gern fotografieren. Einige werden schon panisch, wenn ich in ihrer Nähe die Kamera aus dem Rucksack hole, ohne sie überhaupt ablichten zu wollen. Ein paar Bilder gelingen mir trotzdem – zum Beispiel wenn Julia etwas kauft und wir hinterher höflich fragen.

Was in Essaouira sofort auffällt: Es gibt viele Bettler – und noch mehr Katzen. Essaouira scheint die Katzenhauptstadt zu sein. Nirgendwo auf der Welt haben wir so viele Katzen gesehen wie hier! Dabei erinnert das ständige Kreischen der Möwen daran, dass wir uns am Meer befinden.

Essaouira scheint die Katzenhauptstadt der Welt zu sein

Wir schlendern immer wieder durch die Medina. Überall gibt es etwas zu sehen. Frauen stellen Arganöl her, Händler preisen ihre Teppiche an. Es gibt unzählige Souvenirstände, Galerien und Läden mit Gewürzen oder Kunsthandwerk. Ständig sprechen uns Verkäufer an, bleiben aber höflich.

Frauen stellen Arganöl her

Gewürzpyramiden

In der Medina von Essaouira gibt es unzählige Läden, unter anderem mit Kunsthandwerk …

… und Textilien

Nach einem Durchgang erreichen wir einen Hinterhof mit mehreren Cafés und Restaurants – wo wir ab sofort täglich gegen Mittag Minztee, Espresso und Wasser trinken. Hinter einem Eingang auf der gegenüberliegenden Straßenseite verbirgt sich eine Fischmarkthalle. Frischer geht es nicht, wenn man Fisch mag. Mit Emma spazieren wir durch die Gänge, schauen uns alles genau an und erklären ihr, was wir sehen.

Fischmarkt in der Altstadt

Julia entdeckt eine Patisserie. Dort bekommt Emma ein Schoko-Croissant geschenkt – weil es von gestern ist. Ich lasse mich von dem beeindruckenden Gebäck begeistern und nehme ein Schoko-Himbeer-Törtchen, das wir zu dritt teilen. Extrem lecker!

Schoko-Himbeer-Törtchen: extrem lecker!

Begehbar ist die riesige Stadtmauer, hinter der der tosende Atlantik beginnt. Emma besteigt jede einzelne der bronzenen Kanonen und präsentiert uns Kunststücke.

Emma inspiziert die Kanonen auf der Stadtmauer

Tolle Blicke auf die Bastion und die weiß-blaue Häuserkulisse bieten sich vom Place Moulay Hassan nahe des Hafens. Es lohnt sich, noch einmal rechts um die Ecke zu gehen und die Stadtmauer von Wasserseite zu betrachten. Vorsicht: Die Steine sind rutschig und scharfkantig.

Panoramablick auf Essaouira

Fotomotive zuhauf in Essaouiras malerischem Hafen

Wirklich malerisch ist der sehenswerte Hafen von Essaouira. Dort herrscht ständiges Kommen und Gehen. Schon vor dem Eingang sitzen Fischer und nehmen ihren Fang aus. Das lockt viele Möwen und Katzen an, die die Reste dankbar entgegennehmen.

Vor dem Eingang zum Hafen sitzen Fischer und nehmen ihren Fang aus

Vor einer Festung liegen blaue Boote fotogen in einem kleinen Hafenbecken. Doch dies ist erst der Anfang. Nach dem Betreten des Geländes blicken wir auf eine ganze Armada an blauen, miteinander vertäuten Bötchen. Fotomotive gibt es zuhauf. Aufgedockte Fischkutter erhalten einen neuen Anstrich. Darunter bieten Händler frischen Fang an. Fischernetze werden sorgfältig zusammengelegt. Weil uns die Kulisse so gut gefällt, kommen wir am Nachmittag wieder.

Vor einer Festung liegen blaue Boote in einem kleinen Hafenbecken

Nach dem Betreten des Geländes blicken wir auf eine ganze Armada an Bötchen

Aufgedockte Fischkutter erhalten einen neuen Anstrich

Essaouira Beach: Kamele und Pferde am Strand

Zu Essaouira gehört ein mehrere Kilometer langer, im Süden von Dünen flankierter Strand. Im Stadtgebiet verläuft parallel zum Beach die Avenue Mohammed V, eine betonierte Flaniermeile. Obwohl feinsandig und schön, badet kaum jemand. Das dürfte am kalten Atlantikwasser liegen, und am heftigen Wind – den Kitesurfer und Surfer schätzen.

Der Essaouira Beach bei Flut. Bei Ebbe ist der Strand wesentlich breiter

Am Strand macht die „windige Stadt“ ihrem Namen alle Ehre

Beim unserem ersten Besuch am Strand ist es bedeckt, kühl und böig. Deshalb tragen wir Winterjacke beziehungsweise Mantel. Am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein sieht die Welt ganz anders aus, und es lässt sich wunderbar schlendern. Strandbars bieten Essen und Getränke an. Kaffee, Wein oder Bier schlürfend starren die Urlauber zufrieden der Sonne entgegen aufs Meer. Und auf die vorgelagerten Purpurinseln. Den Namen haben sie von dem Farbstoff, der dort hergestellt wurde. Für ein Gramm Purpur wurden 6000 Schnecken benötigt. Heute sind die Inseln Vogelschutzgebiet.

An der Avenue Mohammed V nahe der Altstadt riecht es nach Marihuana. Jemand will uns Haschkekse verkaufen. Kurz nach Betreten des Strandes fragen uns weitere „Sales Manager“, ob wir mit Kamelen oder Pferden reiten wollen. Einmal kommt ein Mann auf einem Pferd namens Atlas auf uns zu geritten und bietet seine Dienste an. Weitere folgen. Schließlich erreichen wir den Strandabschnitt, an dem sich die Tiere befinden. Während Emma staunt, verhandle ich mit dem Besitzer. 150 Dirham für eine Stunde hatte ich irgendwo gelesen. Er will 400. Am Ende einigen wir uns auf 100 Dirham für Julia und Emma auf einem Kamel für 20 Minuten. Sie werden am Strand entlang geführt, und ich fotografiere begeistert. Hinterher streichelt Emma das Tier.

Kamelreiten am Strand von Essaouira

Hinterher streichelt Emma das Tier

Tags darauf gehen wir nochmals hin und suchen mit Emma nach Atlas, dem Pferd. Wir finden nur seinen „Bruder“ Easy. Obwohl nicht ganz so exotisch wie auf einem Kamel, gefällt es Emma hoch zu Ross noch besser. Während ich nebenher laufe, um zu fotografieren, gerate ich einmal hinter das Tier. „Wenn ich Dir einen Tipp geben darf: Stelle Dich niemals hinter ein Pferd. Weder in Marokko, noch irgendwo anders auf der Welt“, sagt der Besitzer und erklärt: „Mein Pferd heißt Easy, weil es keine Probleme macht. Aber stelle Dir vor, das Pferd wird von einem Moskito gestochen und tritt aus, während Du dahinter stehst.“ Und weiter: „Als Kind stand ich auch einmal hinter einem Pferd. Seitdem habe ich nur noch einen Hoden. Eine sehr schmerzhafte Erfahrung“ – die mir eine Warnung sein wird.

Emma und Julia reiten auf Easy

Als wir fertig sind, machen wir es uns in einer der Strandbars inmitten der Dünen gemütlich. Während es in Deutschland schneit, genießen wir die Sonne und bestellen Rosé, Espresso und Wasser. Essaouira ist eine Stadt der Gegensätze. Einerseits gibt es jede Menge Bettler. Und ein Beutel voll Gemüse kostet acht Dirham. Anderseits kann man in den Strandbars Champagner für 4500 Dirham pro Flasche bestellen.

Auf dem Rückweg zur Medina nennt Emma sich Atlas und galoppiert die Strandpromenade entlang – sehr zur Belustigung von uns und anderen Zuschauern.

Pferdekutschen in Essaouiras Neustadt

Außerhalb der Medina ist Essaouira eine moderne marokkanische Stadt ohne besondere Sehenswürdigkeiten. Des Sehens würdig, zumindest für mitteleuropäische Augen, sind die Pferdekutschen, die als Taxis fungieren. Wer sie fotografiert, erntet böse Blicke von den Passagieren.

Des Sehens würdig: eine Pferdekutsche

In der Neustadt an der Straße nach Marrakesch befindet sich ein großer Carrefour-Supermarkt, in dem neben Lebensmitteln und Gebrauchsgütern aller Art auch guter marokkanischer Wein und Bier erhältlich sind (außer freitags). Die knapp vier Kilometer lange Strecke von der Medina zum Carrefour-Markt kostet sieben Dirham (65 Euro-Cent) und bleibt mir als die wahrscheinlich günstigste Taxifahrt meines Lebens in Erinnerung.

Unterkünfte in Essaouira

In Essaouira herrscht kein Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten – außer zur Zeit des Gnaoua-Festivals. Mehr als 300 verschiedene Hotels und andere Unterkünfte lassen sich allein bei booking.com* vergleichen und buchen. Bei Agoda* und fewo-direkt.de* ist die Auswahl ähnlich groß.

Stilecht übernachtet man in Marokko natürlich in einem Riad. So heißen die traditionellen Häuser mit einem Innenhof, die sich meist hinter einer unscheinbaren Tür verbergen. Für Essaouira machen wir eine Ausnahme und mieten einem Tipp folgend ein Apartment von privat. Die Lage in der Medina und nahe der Supratours-Busstation ist top. Genau genommen handelt es sich nicht um ein Apartment, sondern um ein Haus mit vier Etagen, wenn die Dachterrasse mitzählt. Es gibt drei Toiletten, zwei Schlafzimmer (wobei das untere etwas dunkel ist) und eine Etage, die Wohnzimmer und Küche zugleich ist. Die Ferienwohnung wirkt etwas kühl, was in den Sommermonaten kein Nachteil sein muss, und hat eine ganz spezielles Design. Das Badezimmer ist aus Stein. Es gibt warmes Wasser, Gasherd, Kühlschrank, Geschirr, Waschmaschine, Fernseher, DVD-Player und eine große Filmauswahl, die wir nicht nutzen.

Ferienwohnung mit Charme: Eine Etage ist Küche und Wohnzimmer zugleich

In dieser schönen, geräumigen Wohnung verbringen wir vier herrlich entspannte Tage. Morgens spaziert Julia durch die Gassen und kauft frisches Brot und Obst fürs Frühstück. Am frühen Nachmittag halten wir ein Stündchen Siesta. Und abends bringen wir vom Markt Gemüse mit und kochen gemeinsam. In Essaouira gehen wir kein einziges Mal essen.

Julia kauft Gemüse auf dem Markt

Anreise nach Essaouira

Essaouira verfügt über einen internationalen Flughafen (IATA-Code: ESU) mit Verbindungen nach Düsseldorf-Weeze (NRN), Paris-Orly (ORY), London-Luton (LTN) und Brüssel-Charleroi (CRL). Darüber hinaus gibt es Inlandsflüge nach Casablanca (CMS). Alternativ bieten sich die internationalen Flughäfen von Marrakesch (RAK) und Agadir (AGA), 160 beziehungsweise 120 Kilometer von Essaouira entfernt, mit anschließender Weiterreise an.

Wir recherchieren Flüge am liebsten bei Skyscanner*. Damit lassen sich nicht nur die besten Langstreckenverbindungen, sondern auch gute Angebote regionaler Billigflieger finden.

Flugverspätung? Flugausfall? Flightright* hilft bei der Durchsetzung von Fluggastrechten – und sorgte dafür, dass uns die Airline eine Entschädigung zahlte. Ein Erfahrungsbericht.

An- und Weiterreise per Bus

Wir reisen von Marrakesch aus mit einem Bus von Supratours nach Essaouira. Praktisch: Die Station befindet sich direkt außerhalb der Medina nahe unserer Unterkunft. Auch von CTM gibt es ein Büro in Essaouira. Beide Gesellschaften sind etwas teurer als andere Anbieter, zeichnen sich aber durch saubere Busse und pünktliche Abfahrten aus. Tickets sollten möglichst mindestens einen Tag vorher gekauft werden (geht auch online).

Die Reisezeit von Essaouira bis Marrakesch beträgt etwa drei, bis Agadir dreieinhalb Stunden.

Beste Reisezeit für Essaouira

Als beste Reisezeiten gelten Frühjahr und Herbst. Dann ist es nicht zu kalt und nicht zu warm. Aber Essaouira ist ein Ganzjahresziel. Im Winter ist es kühler (um 20 Grad Celsius) und feuchter, im Sommer warm (über 30 Grad Celsius) und trocken.

Auslandsreisekrankenversicherung

Wichtig! Unbedingt eine gute Auslandsreisekrankenversicherung abschließen, zum Beispiel von TravelSecure*, dem Testsieger bei „Stiftung Warentest“. Die Kosten dafür sind überschaubar. Aber falls wirklich etwas Ernsthaftes passiert, wird es schnell sehr teuer.

Reiseführer für Marokko

Für Marokko gibt es eine große Auswahl an Reiseliteratur. Wir sind mit dem seinerzeit aktuellsten Reiseführer unterwegs – dem „Stefan Loose Marokko“*: ausführliche Beschreibungen, viele nützliche Informationen, sympathische Schreibe – eine gute Wahl, auch wenn wir nicht alle Aussagen und Empfindungen teilen. Ebenfalls einen guten Eindruck machen der „Lonely Planet Marokko“* sowie der „Reise Know-How Marokko“*.

Abschied aus der Katzenhauptstadt Essaouira

Für uns zählt Essaouira zu den Highlights unserer Marokko-Reise. Und wie gefällt Dir die Stadt?

Text: Heiko Meyer. Fotos: Heiko Meyer/Julia Pilz

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