Komiker in Myanmar: Zarganar, Michael Mittermeier und die Moustache Brothers

Regimekritische Komiker wie Zarganar und die Moustache Brothers haben unter Myanmars Generälen nicht viel zu lachen. Nicht nur der deutsche Comedian Michael Mittermeier begibt sich auf ihre Spuren.

Treffen sich ein Amerikaner, ein Brite und ein Burmese zum Aufschneiden. „Ein Einbeiniger von uns bestieg schon zweimal den Mount Everest“, sagt der Amerikaner. „Ein Einarmiger von uns durchschwamm bereits zweimal den Atlantik“, trumpft der Brite auf. Daraufhin der Burmese: „Das ist doch gar nichts. Unser Herrscher regiert schon seit über 18 Jahren ohne Kopf.“

Myanmars bekanntester Komiker Zarganar erzählte politische Witze

Myanmars bekanntester Komiker Zarganar war der erste, der solche politischen Witze in der Öffentlichkeit erzählte – und machte sich damit bei der herrschenden Militärjunta unbeliebt. Bis vor kurzem saßen mehr als 2100 Menschen aus politischen Gründen in dem südostasiatischen Land im Gefängnis. Komiker, Schauspieler und Filmemacher Zarganar war einer davon. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International betrachtete ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen.

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Um auf das Schicksal von Zarganar hinzuweisen, produzierte Michael Mittermeier „This Prison Where I Live“* und reiste dafür nach Myanmar

Im Mai 2008 traf der Zyklon Nargis Myanmar. Zarganar koordinierte die Bemühungen, Hilfsgüter von privaten Spendern zu beschaffen und zu verteilen. Im Juni 2008 wurde er wegen seiner ehrenamtlichen Hilfsleistungen festgenommen. Zuvor hatte Zarganar in Interviews mit ausländischen Journalisten den Umgang der Regierung mit der Krise kritisiert. Er wurde zu einer Haftstrafe von 59 Jahren verurteilt, die später auf „nur“ 35 Jahre herabgesetzt wurde.

Zarganar wurde schon zuvor festgenommen

Gefangen hielt man ihn in Myitkyina, 1400 Kilometer nördlich von seiner Heimat Yangon. Als einer der Volkshelden des Aufstands von 1988 gegen die Militärregierung war Zarganar schon zuvor wegen seines Engagements für die Demokratie festgenommen worden.

Um auf das Schicksal von Zarganar aufmerksam zu machen, produzierte der deutsche Comedian Michael Mittermeier den dokumentarischen Spielfilm „This Prison Where I Live“* (siehe Trailer). Darin porträtiert Regisseur Rex Bloomstein einerseits Zarganar. Andererseits schildert er die Undercover-Reise von Michael Mittermeier nach Myanmar auf den Spuren seines Berufskollegen.

„Man kann nicht viel Spaß bei dem Film wünschen, obwohl er von Humor handelt. Deshalb wünsche ich gute Inspiration“, sagt Michael Mittermeier bei der Premiere in München. „Ich hoffe, dass die Welt den Namen dieses Mannes durch unseren Film kennenlernt“, betont er.

Inzwischen ist Myanmars bekanntester Komiker Zarganar wieder frei

Inzwischen ist Zarganar wieder frei. Im Zuge einer Amnestie wurde er zusammen mit anderen politischen Häftlingen entlassen.

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Michael Mittermeier (l.) und Rex Bloomstein bei der Kinopremiere von „This Prison Where I Live„* in München

Auch die Moustache Brothers haben es schwer in Myanmar

Auch die Moustache Brothers haben unter Myanmars Generälen nichts zu lachen. In Mandalay besuche ich sie und klopfe an die Tür ihres Hauses in einer Seitenstraße. Lu Maw, der wie alle Moustache Brothers einen Schnurbart als Markenzeichen trägt, öffnet. Er mustert mich und sagt: „Du hast ja auch schon graue Haare.“ Dann bittet mich Lu Maw herein und witzelt: „Ich bin erst 60 Jahre alt. Aber ich rauche 24 Stunden am Tag. Deswegen sehe ich so alt aus.“

Lu Maw witzelt: „Ich bin erst 60 Jahre alt. Aber ich rauche 24 Stunden am Tag. Deswegen sehe ich so alt aus“

An der Wand hängen Marionetten und Poster, die Mitglieder des Comedy-Trios mit Aung San Su Kyi zeigen. „Meine Freundin“ sagt Lu Maw, als er den Finger auf die Oppositionsführerin richtet. Einst machten sie sich bei einer Aufführung im Haus von Aung San Su Kyi über die Regierung lustig. Deshalb wurden zwei Mitglieder, Par Par Lay und Lu Zaw, zu mehreren Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Später wurden sie erneut verhaftet. Als ich Lu Maw auf Zarganar anspreche, antwortet er: „Wir kennen uns nicht persönlich. Aber wir wissen von einander.“

Par Par Lay von den Moustache Brothers wurde zu Zwangsarbeit verurteilt

Die Moustache Brothers zogen schon seit über 40 Jahren durch Myanmar. Sie spielten auf Pagodenfesten, Hauseinweihungen, Hochzeiten, Beerdigungen, häufig die ganze Nacht. Dort führten sie ihre traditionellen Volksopern auf, die Musik, Tanz und Komödie miteinander verbinden.

Die Moustache Brothers spielen in ihrem Haus vor ausländischen Touristen

Doch sie dürfen schon lange nicht mehr gebucht werden. Dafür ist eine Genehmigung der Regierung notwendig, die nicht erteilt wird. Deshalb spielen die Moustache Brothers in ihrem Haus vor ausländischen Touristen. Die Bühne ist ein grüner Teppich, der auf Holzpaletten liegt. Davor stehen Stühle.

Das Markenzeichen der Moustache Brothers sind ihre Schnurrbärte

Wir warten auf die anderen Gäste. Lu Maw ist in Erzähllaune. „Warum darf man in Myanmar nicht stehlen?“, fragt er und liefert prompt die Antwort: „Die Regierung wünscht keine Konkurrenz!“

Lu Maw erzählt Witze: „Warum darf man in Myanmar nicht stehlen?“ – „Die Regierung wünscht keine Konkurrenz!“

Er hat noch einen Witz parat: Lu Maw leidet an Zahnschmerzen, kann weder essen, noch trinken. Deshalb geht er in Myanmars Nachbarland Thailand zum Zahnarzt.
„Wie heißen Sie“, will der Mediziner wissen.
„Lu Maw“, antwortet Lu Maw.
„Und woher kommen Sie?“
„Aus Myanmar.“
Erstaunt fragt der Arzt: „Warum kommen Sie extra nach Thailand? Gibt es in Myanmar etwa keine Zahnärzte?“
„Doch, doch“, antwortet Lu Maw. „Aber dort dürfen wir den Mund nicht öffnen.“

Die Moustache Brothers spielen in Mandalay Tag für Tag um 20 Uhr

Inzwischen ist das Publikum vollständig. Heute besteht es aus 16 Personen. Die Moustache Brothers spielen Tag für Tag, jeden Abend um 20 Uhr. Manchmal vor großen Reisegruppen, manchmal nur vor einer Handvoll Touristen. Lu Maw drückt auf die Abspieltaste eines alten Kassettenrekorders. Es piept, Musik ertönt. Hastig redet er auf das Publikum ein. Zwei Einheimische schleichen sich herein. „Bitte nehmt Platz“, sagt Lu Maw. „Meine 84-jährige Mutter sitzt draußen und pfeift bei Gefahr.“ Er hat die Lacher der Touristen auf seiner Seite. Es beginnt eine Slapstick-Show mit Tanzeinlagen, in der politische Aspekte nur am Rande vorkommen. Aus verständlichen Gründen sind die Komiker zurückhaltender geworden.

Es beginnt eine Slapstick-Show mit Tanzeinlagen, in der politische Aspekte nur am Rande vorkommen

Am Ende breitet das gesamte Ensemble T-Shirts der Moustache Brothers zum Verkauf aus. „Zieht einfach eins davon am Flughafen von Yangon an. Dann braucht Ihr kein Flugticket mehr. Ihr spart also eine Menge Geld damit“, preist Lu Maw seine Merchandise-Produkte an. Tatsächlich verwendet er ein Teil des Geldes, um Medikamente und Essen für politische Gefangene zu kaufen.

Myanmars Regierung ist „alter Wein in neuen Schläuchen“

Ob er glaube, dass die Zeit komme, in der er wieder öffentlich auftreten könne, will ich nach der Vorstellung von ihm wissen: „Nur wenn die Regierung wechselt, wir echte Demokratie haben.“ Die neue Regierung hält er für eine Farce. Sie sei wie „alter Wein in neuen Schläuchen“.

Die Moustache Brothers sind eine kulturelle Institution in Mandalay

Bei der Verabschiedung gibt Lu Maw mir einen letzten Witz mit auf den Weg. „Man kann uns vieles in die Schuhe schieben. Aber für die Erderwärmung können wir nun wirklich nichts“, schüttelt er den Kopf. „Denn bei uns in Myanmar gibt es schon seit 20 Jahren kaum noch Strom“, grinst er und schließt die Tür.

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Reiseführer für Myanmar

Für Myanmar gibt es inzwischen eine große Auswahl an Reiseliteratur. Ein Klassiker ist natürlich der „Stefan Loose Reiseführer Myanmar“*.  Ebenfalls empfehlenswert sind der „Lonely Planet“* sowie der „Reise Know-How“*.

Text und Fotos: Heiko Meyer

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2 Gedanken zu „Komiker in Myanmar: Zarganar, Michael Mittermeier und die Moustache Brothers

    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Oliver, danke für Deinen Kommentar. Ich war auch erst beim zweiten Myanmar-Besuch bei den Moustache Brothers. Viele Grüße nach Guatemala, Heiko :-)

      Antworten

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