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Lombok: Training für die Chili-Insel

„Schwarze Witwe“, „Da Bomb Ground Zero“, „Crazy Gibbon“: Vor der Reise zur indonesischen Insel Lombok testen wir Chilisoßen. Extrem scharf und lustig!

Gleich östlich von der berühmten, aber sehr unterschiedlichen Schwester Bali liegt Lombok. Der Name der Insel bedeutet in der Sprache der dort lebenden muslimischen Volksgruppe Sasak „Chili“. Und beim Thema Chili führt kein Weg vorbei an meinem Kumpel David. Denn niemand isst so scharf wie er.

David und seine Frau Nicola laden uns vor der Lombok-Reise zum Abendessen ein. Wir würzen die Speisen mit Chiliflocken. Nach einer Weile springt David auf, öffnet schelmisch grinsend den Kühlschrank. Zunächst zeigt er uns gefrorene Chilischoten, die er im Gefrierfach aufbewahrt. Dann holt er wie aus einem Giftschrank mehrere Flaschen hervor, die auch in einer Apotheke hätten stehen können. Es handelt sich um ultrascharfe Chilisoßen. Sie tragen Namen wie „Schwarze Witwe“, „Pain 95“, „Da Bomb Ground Zero“, „Vicious Viper“ und „Crazy Gibbon“. Tiefrote Farben dominieren die Etiketten. Wie bei giftigen Tieren warnen die grellen Töne zur Achtung. David hatte die Soßen bei einem Spezialversand im Internet bestellt.

Wie bei giftigen Tieren warnen grelle Farben zur Achtung

Als erstes öffne ich die „Schwarze Witwe“, eine große, rote Flasche mit einem Bild der gleichnamigen Spinnenart. Nur eine Messerspitze davon gelangt in meinen Mund. Wenige Sekunden später ist klar: deutlich zu viel! Das Zeug fängt sofort an zu brennen. Erst auf der Zunge, dann am Gaumen und im Rachen, später überall. Selbst die Lippen brennen, als zöge jemand die Haut vom Fleisch ab. Es folgt der Versuch, den Schmerz in Milch zu ertränken. Schließlich schaffen nur fetthaltige Flüssigkeiten Abhilfe. Denn Capsaicin, der Stoff, der die Schärfeempfindung verursacht, ist fettlöslich.

Und wie scharf kannst Du essen?

Während ich an meiner Contenance arbeite, referiert David über Schärfegrade. Bei dieser Gelegenheit höre ich zum ersten Mal von dem US-Pharmakologen Wilbur L. Scoville. 1912 entwickelte er einen Test zur Messung der Schärfe von Paprikapflanzen. Je höher der Wert auf der nach ihm benannten Skala, desto schärfer also.

Bei rund 16 Scoville liegt die durchschnittliche Wahrnehmungsschwelle für Schärfe. Peperoni hat bis zu 500 Scoville. Die von vielen Menschen als sehr scharf empfundene Tabasco-Soße 2500 bis 5000. Jalapeño-Chilis liegen bei 2500 bis 8000. Reiner Cayenne-Pfeffer bei 30.000 bis 50.000 Einheiten. Davids „Schwarze Witwe“ bringt es auf 229.000 Scoville.

Je mehr Scoville, desto schärfer das Chili

Anderthalb Stunden später sind die Symptome abgeklungen. „Was ist das Schärfste, das Du hier hast?“, frage ich nun. „Crazy Gibbon“, antwortet David sofort. „Man muss schon verrückt sein, um eine Chilisoße mit 553.000 Scoville zu probieren“, steht warnend selbst auf der Rückseite der Flasche. Ein paar dieser Verrückten versammeln sich an diesem Tisch.

David holt einen Teelöffel. Ich träufele nur ein paar Tropfen „Crazy Gibbon“ auf einen Teller, tauche kurz eine Kuchengabel darin ein. Als erstes probiert David von seinem Löffel, dann versucht Nicola ein kleines bisschen. Die „Schwarze Witwe“ noch im Hinterkopf nippe ich nur an einer Spitze der Kuchengabel. „Das Wort Schmerz bekommt eine neue Dimension“, faucht David derweil und springt wie wild geworden vom Stuhl. Er greift in den Kühlschrank, stürzt die Milch hinunter und rennt heftig ein- und ausatmend wie ein Gibbon durch die Küche. Trotz der geringen Menge fühle ich mich wie ein feuerspeiender Drache, und auch Nicola verzieht beeindruckt ihr Gesicht. „Ich will auch“, fordert Julia, meine Freundin. „Nein, tue es nicht. Du wirst es bereuen“, warne ich mit Erfolg, während sie sich über uns amüsiert.

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Zwar kein „Crazy Gibbon“: Aber diese fauchende Affe auf dem Weg hoch zum Vulkan Gunung Rinjani auf Lombok ist uns ebenfalls nicht geheuer

Alles andere als amüsiert waren ein paar 13- bis 14-Jährige aus Süddeutschland. Während einer großen Pause tranken die Achtklässler „Crazy Gibbon“ als Mutprobe. Erst war den Jugendlichen heiß, dann brannte es stark im Mund. Wenig später schwitzten sie, der Kreislauf raste, und nach und nach ging es ihnen immer schlechter: Übelkeit, Schüttelfrost, Kreislaufkollaps. Schließlich mussten acht von ihnen mit starken Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Notarzt schluckte offenbar selbst erst mal, als ihm die Teenager gestanden, woher ihr Zustand rührte. „Sowas ist uns das erste Mal in zehn Jahren passiert“, zitiert eine Tageszeitung den Arzt.

„Crazy Gibbon“ als Mutprobe

Zum Glück hatten die Jugendlichen „nur“ „Crazy Gibbon“ getrunken. Wer weiß, was ihnen mit „The Source“ passiert wäre. Die wohl schärfste Chilisoße der Welt bringt es auf 7,1 Millionen Scoville. Schärfer ist nur pures Capsaicin mit 16 Millionen Einheiten. Dennoch findet offenbar auch „The Source“ Abnehmer. „Einfach nur ein super Sößchen“ schreibt jedenfalls ein von der „strengen Schärfe“ begeisterter Kunde auf der Website eines Onlineshops.

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Julia und ich auf Lombok

Text und Fotos: Heiko Meyer

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11 Gedanken zu „Lombok: Training für die Chili-Insel

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  8. Wolfgang

    Ich esse auch gern scharf und nachdem ich inzwischen oft in Thailand, Indien und Indonesien war vertrage ich auch einiges – aber nicht alles. Bei meinem ersten Besuch auf Sulawesi 1988 kriegte ich einmal in einem Restaurant nur eine große Schüssel kalten Nasi Putih, Klebreis, da ich außerhalb der Öffnungszeit kam. Da es weit und breit nichts anderes essbares gab nahm ich die Schüssel. Der Reis schmeckt natürlich ziemlich fad, so ganz ohne Beilage, also nahm ich mir eine Messerspitze von dem Sambal Oelek, das auf dem Tisch stand. Ich vermischte es gut mit dem ganzen Reis, was logischweise auf eine sehr starke „Verdünnung“ hinauslief. Zu sehen war von dem Sambal an dem Reis anschließend nicht mehr viel, dafür war es viel zu wenig. Trotzdem war der anschließend schlichtweg ungenießbar – weil höllisch scharf. :-)

    Antworten
    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Wolfgang,

      Dein Sambal Oelek war wahrscheinlich auch „einfach nur ein super Sößchen“ ;-) Aber das lag vielleicht daran, dass Du damals scharfes Essen noch nicht so gewöhnt warst. Wenn Du dasselbe Sambal heute probieren würdest, wäre es in Deiner Wahrnehmung wahrscheinlich „nur“ normal scharf.

      Guten Appetit,
      Heiko

      Antworten
  9. Sandra Wesemann

    Hallo ihr beiden,

    ich bin vor 4 Wochen nach Jakarta gezogen, bin aber beruflich einmal im Monat auf Lombok. Nun meine Frage: Kennt ihr dort Chili-Farmen? Wo befinden sich welche? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir ein paar Adressen nennen könntet. Geht das?

    Liebe Grüße
    Sandra

    Antworten
    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Sandra,

      danke für Deinen Kommentar! Lombok ist eine tolle Insel, aber mit Adressen von Chili-Farmen können wir leider nicht dienen.

      Liebe Grüße und eine gute Zeit,
      Heiko

      Antworten

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