Sumbas traditionelle Dörfer: Zu Besuch im Märchenland

Der Besuch eines traditionellen Dorfes auf der indonesischen Insel Sumba gleicht einem Ausflug ins Märchenland.

Wer ein traditionelles Dorf auf der indonesischen Insel Sumba besucht, fühlt sich wie in einem Märchenland. Zwischen knorrigen alten Bäumen ragen strohgedeckte Hütten mit ihren extrem hochgezogenen Dächern wie Hexenhäuser hervor. Nur dass sie nicht aus Lebkuchen, sondern aus Bambus bestehen. Zum Schutz vor Angreifern wurden die Siedlungen früher auf Anhöhen errichtet.

Auf Sumba hängen Büffelhörner wie Trophäen an den Wänden

Die Häuser reihen sich um einen Opferplatz mit Steinaltären, der nur für Zeremonien betreten werden darf. Zahlreiche Büffelhörner und -schädel hängen wie Trophäen an den Wänden. Sie symbolisieren die Zugehörigkeit zur Marapu-Religion. Das Erdgeschoss ist für Tiere reserviert, für Schweine, Hunde, Hühner, Ziegen und Pferde. Die Menschen wohnen, schlafen und arbeiten in der ersten Etage. Das spitz aufragende Dach stellt das Paradies dar. Darin bewahren die Bewohner neben Lebensmitteln wie Reis und Mais auch Opfergaben an die Marapu auf.

Die traditionellen Häuser reihen sich um einen Opferplatz mit Steinaltären

Der Opferplatz darf nur für Zeremonien betreten werden

An den Außenwänden der traditionellen Häuser hängen Büffelhörner und -schädel

Sie symbolisieren die Zugehörigkeit zur Marapu-Religion

Dorfbewohner bei der Raucherpause

Dieser Junge hat sich gerade den Kopf gestoßen

Nach dem Betreten eines Dorfes muss zuerst der Kepala Desa, das Dorfoberhaupt, besucht werden

Die strohgedeckten Häuser mit ihren hochgezogenen Dächern sind typisch für Sumba

Diese Männer bauen das Bambusgerüst für ein neues Haus

Die Frauen sorgen derweil für das leibliche Wohl

Im ganzen Dorf stehen nur traditionelle Häuser

Zum Abschied winken die Kinder

Nach dem Betreten eines Dorfes muss als erstes der Dorfchef, der Kepala Desa, aufgesucht werden. Nur er vergibt das Aufenthaltsrecht. Er erhält Sirih Pinang – Betelnüsse – den traditionellen Willkommensgruß. Einen ganzen Beutel davon bringe ich vom Markt in Waikabubak mit und biete sie allen Erwachsenen im Dorf an. „Betelnüsse sind sehr wichtig für die Menschen hier. Sie kauen sie den ganzen Tag“, erklärt Timothy, der in meinem Hotel arbeitet und mir die Insel zeigt. Überall färbt roter Speichel den Boden und die Zähne von fast allen älteren Damen. Ihre Mundwinkel leuchten wie verschmierter Lippenstift.

Vor einem Haus sitzen zwei junge Frauen. Sie nehmen den Gruß aus Betelnüssen an, und wir kommen ins Gespräch. „Unser Leben hier ist zwar sehr einfach“, übersetzt Timothy ihre Worte. „Aber wir müssen uns um Politik keine Sorgen machen. Wir bauen Getreide an, haben immer genug zu essen, kauen Betelnüsse und freuen uns über den Tag.“

„Wir kauen Betelnüsse und freuen uns über den Tag“

Die Damen legen Betelnuss nach. Auch Timothy greift zu, knackt die grüne Schale mit Daumen und Zeigefinger und schiebt sich den Kern in die Backe. Er befeuchtet eine bitter schmeckende Pflanze, taucht sie ins Löschkalkpulver und kaut alles zusammen im Mund.

Gruppenzwang. Deshalb probiere auch ich Betel und tue es Timothy gleich. Wie beim ersten Alkoholgenuss stellt sich ein Rausch ein. Zuerst steigt ein warmes Gefühl auf. Es folgen Schweißausbrüche. Dann taumele ich über die spitzen Steine und versuche, Haltung zu bewahren. Ich brauche Schatten und bin sichtlich angeschlagen. Das merken auch die Damen. „Mabuk, mabuk“ – betrunken, betrunken – kichern sie.

Nach einigen Minuten wird mein Kopf wieder klar. Und ich fühle mich wieder sicher genug, um auf zwei Beinen im Sonnenlicht die schmalen Pfade entlang zu gehen. „Selamat tinggal“ – lebt wohl – rufe ich den Frauen zum Abschied zu. „Selamat jalan“ – gute Reise – antworten die zufriedenen Bewohnerinnen aus Sumbas Märchenland.

Der Weg in ein traditionelles Dorf auf Sumba

Vorbei an knorrigen alten Bäumen

Vor diesem Haus trocknen Kokosnussstücke in der Sonne

Die Kinder kündigen mich, den Fremden, an

Aber ich scheine willkommen

Manche freuen sich sogar, mich zu sehen

Manche freuen sich sogar, mich zu sehen

Die Lippen dieser Frau leuchten rot vom Genuss der Betelnuss

Dieses Mädchen kaut noch keine Betelnüsse

Beide schauen mir genau zu

Der große Bruder tröstet den kleinen

Ein Junge mit seinem Huhn

Das Dorfschwein

Zurück in der Stadt Waikabubak in West-Sumba

Selbst in der Stadt stehen so manche traditionellen Häuser

Text und Fotos: Heiko Meyer

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10 Gedanken zu „Sumbas traditionelle Dörfer: Zu Besuch im Märchenland

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  2. Oli

    Eine Wahnsinnsreportage! Ich bekomme gerade Lust, den nächsten Flug zu buchen! Aber Betel zu verschänken, da hätte ich irgendwie ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir all die kaputten Zähne anschauen. Andrerseits würden sie das ja trotzdem kauen…

    Antworten
    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Oli, danke für die Blumen! Sumba ist definitiv eine Reise wert, auch ohne Betelnüsse ;-) Viele Grüße, Heiko

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  7. Yen

    Sehr schöner Beitrag! Vielleicht schaffe ich es auch mal dorthin :) Mich wundert es allerdings sehr, dass die Betelnüsse so eine starke Wirkung haben, dass man kaum aufrecht gehen kann. Ich habe sie schon paar mal probiert von meiner Oma, (Ich komme ursprünglich aus Sumatra ) außer einen etwas tauben Mund hatte ich nichts. vor ca. 2 Wochen hatte auch ein Freund von mir Betelnüsse gekaut und da war nichts aufregendes. Bloß minimale Entspannung und ein bisschen tauben Mund. Auf Sumba sind sie wohl viel stärker :) Übrigens „mabuk“ muss nicht zwingend betrunken heißen ( z.B betrunken sein durch Alkohol) sondern auch, wenn einem, aus welchen anderen Gründen auch immer ( z.B wenn einem bei einer Autofahrt schlecht wird, etwas nicht gut vertragen oder durch Krankheit etc.)

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    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Yen, danke für Deinen Kommentar. Ja, dass die Betelnüsse so stark waren, hat mich ebenfalls überrascht. Hatte sie vorher schon in West-Papua und in Myanmar probiert. Das war das längst nicht so intensiv. Allerdings hielt der Zustand in dem Dorf auf Sumba auch nicht lange an. Viele Grüße, Heiko

      Antworten
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