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Toraja-Land, Indonesien: Totenkult auf Sulawesi

Im Süden der indonesischen Insel Sulawesi lebt das Volk der Toraja. Es pflegt einen komplexen Totenkult mit aufwändigen Begräbniszeremonien. Doch die Toraja-Land genannte Region ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.

Totenfeiern wie auf Sumba gibt es auch auf Sulawesi. Die riesige Insel befindet sich zwischen Kalimantan im Westen und den Molukken im Osten Indonesiens. Ihre ungewöhnliche Form erinnert an einen Oktopus.

Im Hochland Tanah Toraja im Süden Sulawesis lebt das Volk der Toraja. Zwar wurde es von holländischen Missionaren zum Christentum bekehrt. Doch bis heute pflegt es einen komplexen Totenkult. Die Torajas betrachten das Sterben nämlich nicht als trauriges Ereignis. Stattdessen sehen sie den Tod als Bestandteil des Lebens und nur als Übergang in eine neue Ebene auf dem Weg zum Jenseits, das sie Puya nennen.

Nach dem physischen Ableben gilt der Verstorbene so lange nur als „krank“, bis alle notwendigen Rituale für den Übergang der Seele nach Puya vollzogen wurden. Dieses Ereignis wird mit aufwändigen, mehrtägigen Begräbniszeremonien gefeiert, die ein Vermögen kosten können. Und es dauert manchmal Jahre, bis die Familien das Geld dafür beisammen haben. Bis dahin wird der „Kranke“ einbalsamiert in einem Sarg im eigenen Haus aufbewahrt. Ihm werden sogar Essen, Getränke und Zigaretten hingestellt. Er ist ja nur „krank“ und nicht tot.

Das geschwungene Dach erinnert an den Rumpf eines Schiffes

Die für diese Region typischen Wohnhäuser werden Tongkonan genannt, auf Stelzen gebaut und nach Norden ausgerichtet. Das geschwungene Dach erinnert an den Rumpf eines Schiffes. Das könnte ein Hinweis auf die Herkunft des Toraja -Volkes sein. Denn einst soll es aus dem Norden über das Meer nach Sulawesi gekommen sein. Aus Mangel an Häusern benutzten die Menschen zunächst ihre umgedrehten Schiffe als Behausungen. Soweit eine Theorie. Eine andere besagt, dass die Form der Häuser einem Büffelkopf entspricht.

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Die traditionellen Wohnhäuser der Toraja werden Tongkonan genannt und sind nach Norden ausgerichtet – gegenüber befinden sich die Reisspeicher

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Die Form der Häuser erinnert an den Rumpf eines Schiffes – oder an einen Büffelkopf

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An den Wänden der Tongkonans befinden sich geschnitzte Ornamente

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Je mehr Büffelhörner, desto höher der Status in der Toraja-Gesellschaft

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Die Büffelhörner werden an den Stützbalken für alle sichtbar befestigt

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Diese Häuser stehen in Kete Kesu, einem Dorf südlich von Rantepao

Wasserbüffel werden – je nach sozialem Status des Verstorbenen – zuhauf bei den blutigen Begräbniszeremonien geopfert. Die gehörnten Schädel hängen später für alle sichtbar an einem Stützbalken am Haus. Je mehr Büffel den Tod finden, desto höher der Status des Verstorbenen in der Toraja-Gesellschaft. Je mehr Gäste bei einer Begräbniszeremonie anwesend, desto erfreuter die Seele des Toten. Aufgrund dieser ungewöhnlichen Sichtweise sind Touristen bei den Totenfeiern nicht nur toleriert, sondern durchaus willkommen. Sie sollten aber Geschenke wie zum Beispiel Zigaretten mitbringen.

Die Zeremonie im Toraja-Land dauert drei Tage

Julia und ich besuchen eine Zeremonie in einem Dorf im südlichen Toraja-Land. Sie dauert drei Tage, und nur dafür werden rund um einen Festplatz überdachte Tribünen aus Bambus errichtet. Familienangehörige und Bekannte des Verstorbenen reisen zu diesem Anlass zum Teil von weit her an und kleiden sich traditionell in Schwarz.

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Dem Anlass angemessen…

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…kleiden sich viele Besucher der Zeremonie in Schwarz

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Diese Damen sind das Begrüßungskomitee…

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…und nehmen die Gäste der Begräbniszeremonie in Empfang

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Auch die Jungen tragen traditionelle Kleidung

Als wir eintreffen, tragen Männer an Bambusstöcken fixierte Schweine zum Festplatz. Dort werden sie mit einem Messer getötet und über Feuer gegrillt. Währenddessen wird an einem anderen Ort im Dorf ein Megalith als eine Art Grabstein ohne Innenschrift zum Gedenken aufgerichtet.

Männer stellen sich im Kreis auf und singen

Zwischen traditionellen Häusern stellen sich Männer im Kreis auf. Sie fassen sich an die Hände und tanzen behutsam – zum Teil für mehrere Stunden. Dabei singen sie Begebenheiten aus dem Leben des Verstorbenen und murmeln Beschwörungslaute, welche die Seele sicher auf ihrem Weg begleiten sollen.

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An Bambusstöcken fixierte Schweine – Geschenke von Besuchern – werden zum Festplatz getragen

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Auch erste Büffel müssen dran glauben

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Das Fleisch wird in Bambusrohren gegrillt

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Zwischen traditionellen Häusern stellen sich Männer im Kreis auf

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Sie singen Begebenheiten aus dem Leben des Verstorbenen und murmeln Beschwörungslaute, welche die Seele sicher auf ihrem Weg nach Puya begleiten sollen

Gleich daneben wird der geschmückte Sarg aufbewahrt. Über dem Festplatz steht ein Totenturm, zu dem er später in einer feierlichen Prozession gebracht wird. Der Zeremonienmeister erhebt seine Stimme und verkündet über Lautsprecher den Beginn.

Tanah Toraja, Sulawesi: Eine sehr intensive, magische Atmosphäre

Erst wird der Sarg in das Haus des Verstorbenen getragen, später über den Festplatz hoch zum Totenturm. Währenddessen tönen die Worte des Zeremonienmeisters aus den Lautsprechern wie satanische Beschwörungen aus einem Horrorfilm. Eine sehr intensive, magische Atmosphäre. Dem Sarg voraus tragen Frauen ein langes, rotes Band aus Tuch, als zögen sie den Verstorbenen damit.

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Zum Totenturm (r.) wird der Sarg später gebracht

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Der Sarg wird erst in das Haus des Verstorbenen getragen, dann über den Festplatz hoch zum Totenturm

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Dem Sarg voraus tragen Frauen ein langes, rotes Band aus Tuch

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Es sieht so aus, als ziehen sie den Verstorbenen damit

Nach Abschluss dieser Prozession vergeht eine Weile bis zum Beginn des Büffelkampfs. Anfangs machen die an einem Seil am Nasenring auf den Festplatz gezerrten Tiere keine Anstalten zu kämpfen. Während jemand Wetten entgegennimmt, schlagen Jugendliche die Rinder mit Bambusstangen, um sie anzustacheln. Diesmal vergeblich.

Besonders blutig wird es am dritten Tag der Feierlichkeiten. Dann werden zahlreiche Büffel geschlachtet. Ein Spektakel, das wir uns nicht antun.

Baumgräber, Steingräber, Felsengräber, Höhlengräber, hängende Särge

Stattdessen besichtigen wir die unterschiedlichsten Bestattungsorte: Baumgräber für Kleinkinder, Steingräber, Felsengräber, Höhlengräber, hängende Särge. Die bedeutendsten Verstorbenen, bei denen besonders viele Büffel geopfert wurden, erhalten sogenannte Tau-Taus – aus Holz geschnitzte Abbilder der Toten, die deren Kleidung tragen.

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Kleinkinder werden in Baumgräbern bestattet

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Hier werden Grabkammern in den Stein gehauen

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Früher wurden die Verstorbenen auch in Höhlen bestattet

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Aus alten Särgen fallen Knochen heraus

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Schädel in einer Schale

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Die bedeutendsten Verstorbenen erhalten sogenannte Tau-Taus – aus Holz geschnitzte Abbilder

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Die Tau-Taus tragen die Kleidung der Verstorbenen

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Eine ganze Ahnengalerie aus Tau-Taus wacht vor Felsengräbern

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Die Tau-Tau-Dame rechts sieht noch recht frisch aus

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Auch viele einheimische Touristen interessieren sich für die Toraja-Kultur

Zwar zieht es Touristen vor allem aufgrund der Beerdigungszeremonien ins Toraja-Land. Doch die Region um den Hauptort Rantepao hat auch landschaftlich viel zu bieten: zerklüftete Berge, üppige Vegetation, Kaffeeplantagen und Reisterrassen, die imposanter als die bekannteren in Bali sind. Am Ende zählt das Gesamterlebnis. Und das ist im Toraja-Land einmalig!

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In der Umgebung von Rantepao liegen viele Dörfer

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In einem wird gerade ein Schwein geschlachtet…

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…und auf den Grill gelegt

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Reisernte

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In dieser Region wird sehr viel Reis angebaut

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Wie wäre es mit Trekking durch Reisterrassen?

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Beim Wandern durch die üppige Vegetation trifft man immer wieder auf die Toraja-Kultur…

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…und kann schöne Ausblicke genießen, wie hier Julia

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Auch auf dem Rückweg von Rantepao nach Ujung Pandang, dem ehemaligen Makassar, wo sich der nächste Flughafen befindet, bieten sich immer wieder tolle Perspektiven

Text: Heiko Meyer
Fotos: Heiko Meyer/Julia Pilz

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13 Gedanken zu „Toraja-Land, Indonesien: Totenkult auf Sulawesi

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  4. Thomas pixelschmitt

    Hallo Ihr 2,

    ich habe gerade Euren Blog entdeckt und kann so ziemlich alles bestätigen, was Ihr über Sulawesi schreibt. Sowohl der Norden als auch die blutigen Zeremonien in Tana Toraja. 2009 war ich dort und fand es echt interessant, einmal bei so einer Zeremonie dabei zu sein. Und noch interessanter fand ich es, wie fachmännisch die Jungs die Schweine komplett zerlegt haben.

    Ich werde Euch gleich mal in meinen RSS-Reader aufnehmen ;)

    Schönen Abend noch
    Thomas

    Antworten
    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Thomas,

      danke für Deinen Kommentar. Schön, dass Du das ähnlich empfindest.

      Viele Grüße,
      Heiko

      Antworten
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  10. Nadja

    Ich würde mir wuchs ehr gern eine Zeremonie dort ansehen. Wie habt ihr denn von den Zeremonien erfahren? Kann man da dann einfach teilnehmen?
    Liebe Grüße aus Melbourne,
    Nadja

    Antworten
    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Nadja, die Teilnahme an so einer Zeremonie ist kein Problem, wenn Du Dich an gewisse Regeln hältst dun Gastgeschenke mitbringst. In Rantepao wirst Du ganz sicher von stattfindenden Zeremonien erfahren. Ansonsten fragst Du einfach in Deiner Unterkunft. Denn alle wollen an diesen Zeremonien teilnehmen! In den Monaten Juli/August finden wohl die meisten Beerdigungen statt. Am besten ist es wahrscheinlich, wenn Du Dir Deinen Zeitplan nicht so eng steckst. Dann bist Du flexibel und kannst ein paar Tage warten bis zum nächsten “Termin” ;-) Viele Grüße nach Melbourne, Heiko

      Antworten
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