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Songkran-Festival in Thailand: Wasserschlacht in Bangkok

Zwar hat das südostasiatische Wasserfest Songkran religiöse Hintergründe. Heutzutage steht jedoch der Spaß im Vordergrund. Ein Bericht aus Bangkok, Thailand.

In Thailand, Laos, Myanmar und Vietnam feiern die Bewohner Mitte April das Wasserfest Songkran. Es markiert das Ende der Trockenzeit, den Beginn eines neuen Jahres. Zwar hat Songkran religiöse Hintergründe. Heutzutage steht jedoch der Spaß im Vordergrund.

Wie vor Ostern und Weihnachten in Deutschland werden schon lange vor dem Ereignis Zeichen der anstehenden Feierlichkeiten sichtbar. Mönche waschen Buddhafiguren. Männer und Frauen sind in Partylaune. Kinder schießen mit Wasserpistolen aus Plastik auf alles und jeden. Wie mit der Knallerei an Silvester können sie es nicht abwarten, bis das Fest beginnt.

Bangkok zeigt sich angemessen für Songkran

Bei der Ankunft auf dem Flughafen Bangkok zeigt sich Thailands Hauptstadt dem Wasserfest angemessen: Es gießt wie aus Kübeln. Trotzdem erreiche ich mit trockenem Gepäck die Unterkunft. Alles andere als selbstverständlich in diesen Tagen. Die Geschäfte sind geschlossen, sogar in den Touristenzentren. Die Menschen wollen feiern.

Bangkoks Stadtteil Banglamphu ist das Epizentrum von Songkran

Der Stadtteil Banglamphu ist so etwas wie das Epizentrum von Songkran. Zumindest tagsüber. Denn nachts verlagert sich das Spektakel in die Silom Road, wo es bis in den Morgen weitergeht. Einige Straßen sind gesperrt. An Ständen werden Wasserpistolen verkauft. Die verschiedensten Modelle. Händler preisen wasserdichte Taschen an. Menschen bespritzen sich gegenseitig. Auch Polizisten sind nicht sicher vor den Attacken. In der Khao San Road und in den Nebenstraßen herrscht dichtes Gedränge. Jemand schüttet mir als Neujahrsgruß eine Flasche Wasser in den Rücken. Ein anderer trägt, wie viele, einen kleinen Plastikeimer mit in Wasser aufgelöster Erde. Mit beiden Händen schmiert er mir den grauen Matsch ins Gesicht und aufs T-Shirt. „Happy new year!“, haucht er mir ins Ohr. Eine Dame bespritzt mich mit einer kleinen Wasserpistole. Deren Lauf ziert ein aufgeklappter Schutzschirm, hinter dem sie sich versteckt, mit Mickey-Mouse-Motiv. Als Versöhnung folgt ein Wangenkuss.

Wie wäre es mit etwas Dreck im Gesicht? Happy new year!

Die Stimmung ist ausgelassen wie auf der Loveparade, bierseelig wie auf dem Oktoberfest. Und genauso eng ist es. Dicht an dicht schieben sich die Massen vorbei. Nichts für mich. Ich weiche aus in die Ram-Buttri-Gasse. Dort geht es nicht minder zu. Die Gegend ist ebenfalls Kampfzone. Und nicht wenige ehemalige Wehrdienstverweigerer aus Deutschland proben mit Wasserpistole bewaffnet den Straßenkampf. Niemand ist sicher vor ihnen. Trocken kommt keiner vorbei. Alle Passanten wissen, worauf sie sich einlassen. Aber nicht jeder hat eine Wahl. Für Ankommende oder Abreisende mit Gepäck gleicht der Weg einem Spießrutenlauf. Augen auf beim Flugticketkauf!

Bewaffnet mit Wasserpistolen – Songkran in Thailand

Taxifahrer machen sich diese Not zu Eigen. Für sie ist Songkran das Geschäft des Jahres. Sie stellen ihr Fahrzeug demonstrativ ab und nehmen Matsch und Wasser in Kauf. Dafür verlangen sie Mondpreise, die bezahlt werden. Nachfrage und Angebot. So mancher Weg zum Bahnhof wird so teurer als die Zugfahrkarte in den Süden.

Viele Thailänder feiern Songkran mit Leib und Seele

Viele Thailänder feiern Songkran mit Leib und Seele. Sie stehen mit Wasserschläuchen und –kübeln am Straßenrand und verpassen ihren Opfern Abkühlung in der heißen Jahreszeit. Andere wiegen sich in Sicherheit und werfen das Nass in Schüsseln vom Balkon. Wer nicht ständig Nachschub holen will, trägt seinen mit einem Schlauch verbundenen Wasservorrat gleich auf dem Rücken. Zum Beispiel als Behältnis in Form einer gelben Schildkröte, eines rosa Elefanten oder eines gepunkteten Marienkäfers. Manche verbinden ihre Pistole mit einem Plastikkanister, der aussieht wie eine Whiskey-Flasche oder ein Raumschiff. Kinderträume werden wahr. Und so manche Bar wirbt mit kostenlosem Wassernachschub beim Kauf eines Bieres.

Der Herr mit dem gelb-violett-geblümtem Hemd feiert drei Tage durch

Einer hat seinen blauen Toyota-Pick-up strategisch günstig abgestellt. Auf der Ladefläche stehen mehrere große Regentonnen mit Munition. Die Türen des Autos sind weit geöffnet, die Hi-Fi-Anlage laut aufgedreht. Mit gelb-violett geblümtem Hemd, blauer Jeans und tief ins Gesicht gezogenem Hut wippt er hinten zum Rhythmus der Musik. Das ganze Auto wackelt. In der Hand ein buntes Wassergewehr aus Plastik. Er zielt auf alle, die vorbei kommen, lässt sich aber auch bedingungslos beschießen. Zum Schutz vor den Wassersalven trägt er eine Sonnenbrille. Manchmal legt er die Waffe auf seine Schulter, hüpft weiter zur Musik. Ununterbrochen. Eigentlich immer. Er tanzt, hüpft, schießt, füllt Wasser nach, und von vorn. Nicht nur heute. Er zieht Songkran durch, alle drei Tage. „Dieser Mensch muss verrückt sein“, stellt eine Touristin fest. Er hat Spaß, verhält sich aber angemessen.

Viele verlassen Bangkok zur Songkran-Evakuierung

Viele tun das nicht. Sie übergießen Kinder mit Eiswasser aus den Kühlboxen für Getränke. Sie schnappen sich volle Zehn-Liter-Eimer und warten auf Leute mit Gepäck. Sie zielen mit großen Druck erzeugenden Wassergewehren direkt ins Gesicht. Alkohol fließt in Strömen. Rasant steigt in dieser Zeit die Zahl der Verkehrstoten. Diebe mischen sich unters Volk. Sie umarmen die Feiernden wie alte Freunde, schütten ihnen zur Ablenkung Wasser über den Kopf und räumen derweil die Taschen aus. Deshalb verlassen viele Bangkoker die Stadt, und Expatriats sprechen von der alljährlichen Songkran-Evakuierung.

Julia und ich in Bangkok mit Kollateralschäden

Hast Du das Songkran-Fest auch schon mitgemacht? Wie hast Du es erlebt?

Text und Fotos: Heiko Meyer

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