Seidenstraße in Usbekistan: Fünf Highlights in Samarkand

Zwar erscheint Samarkand nicht so märchenhaft wie der vorauseilende Ruf als mythischer Ort an der Seidenstraße. Trotzdem befinden sich in Usbekistans zweitgrößter Stadt herausragende Sehenswürdigkeiten. Das sind meine Highlights!

Auch wenn vereinzelt noch Pfaue und Esel durch Samarkand (auch Samarqand) laufen: Usbekistans zweitgrößte Stadt erscheint längst nicht so märchenhaft wie der ihr vorauseilende Ruf als mythischer Ort an der legendären Seidenstraße.

Eher kennzeichnen moderne Gebäude, weitläufige Parks und mehrspurige Straßen das Bild der zentralasiatischen Metropole. Dennoch befinden sich in Samarkand herausragende historische Sehenswürdigkeiten, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.

1. DAS Highlight von Samarkand: der Registan-Platz

Als das Highlight von Samarkand schlechthin gilt der prächtige Registan. Diesen „Sandigen Platz“, so die Bedeutung des Namens, flankieren drei gigantische Medressen (Koranschulen). Gemeinsam ergeben sie ein beeindruckendes Ensemble islamischer Architektur.

Während meines Besuches finden in Samarkand die Proben für das internationale, nur alle zwei Jahre veranstaltete Musikfestival „Sharq Taronalari“ statt. Deshalb ist das Registan-Gelände zurzeit nur sporadisch geöffnet. Zwischen 15 und 16 Uhr erhalte ich endlich Einlass und erlebe die monumentalen Bauten wie im Rausch. Diese Ornamente! Dieses Blau! Diese Größe! Daran kann ich mich gar nicht sattsehen – und versuche immer wieder, diese Kulisse fotografisch festzuhalten. Klick, klick, klick. Doch letztlich sind es immer wieder dieselben Motive.

Beeindruckendes Ensemble islamischer Architektur: der Registan im usbekischen Samarkand. Normalerweise ist der Platz leer, doch zurzeit finden die Proben für ein internationales Musikfestival statt

Schon nach einer Stunde muss ich den Registan wieder verlassen. In dem gemütlichen Eiscafé davor stürze ich anderthalb Liter Wasser hinunter. Denn auch in Samarkand ist es heiß im Sommer, sehr heiß!

Übrigens: Um den Registan an sich zu sehen, muss das Gelände gar nicht betreten werden. Schon von der Hauptstraße eröffnet sich ein schöner Blick auf das Ensemble. Sicherlich sehenswert ist die Lichtshow, die außerhalb der „Sharq Taronalari“-Zeit an Sommerabenden gegen Eintrittsgeld stattfindet.

In der Mitte des Registan-Ensembles befindet sich die Tilya-Kori-Medresse aus dem 17. Jahrhundert

Die Tilya-Kori-Medresse sieht innen besonders schön aus

Diese Ornamente! Dieses Blau! Diese Größe! Die Sher-Dor-Medresse rechts auf dem Registan

2. Vom Registan zur Bibi-Khanum-Moschee

Vom Registan zur riesigen Bibi-Khanum-Moschee, die ab 1399 erbaut wurde, führt die künftige Prachtstraße Tashkent Road. Die Flaniermeile wird von Mauern begrenzt, nur unterbrochen von einzelnen Türen. Dahinter beginnt die Altstadt von Samarkand, in der sich der Alltag abspielt. Es scheint, als wolle die Regierung das Leben der einfachen Menschen hinter den Mauern vor den ausländischen Touristen und vor Usbekistans High Society verbergen.

Generell ist häufig mehr Schein als Sein in Samarkand. So manche historischen Gebäude wirken etwas überrestauriert, sodass sie wie neu aussehen – obwohl sie sehr alt sind.

Die Bauarbeiten für die riesige Bibi-Khanum-Moschee in Samarkand begannen im Jahr 1399

Mehr Schein als Sein und typisch für Samarkand: Während die Fronten der Bibi-Khanum-Moschee schön hergerichtet sind, bröckelt es hinter der Fassade

Bei dieser Außenansicht sieht man der Bibi-Khanum-Moschee ihr Alter von über 600 Jahren nicht an

Unterwegs auf der Tashkent Road

3. Siyob-Basar

Authentischer geht es auf dem nahen Siyob-Basar zu, der eine Fülle an Fotomotiven bietet. Echte Hingucker auf dem Markt sind die vielen Melonen- und Brotstände. Riesig ist die Auswahl an Obst, Gemüse und Nüssen.

Authentischer geht es auf dem nahen Siyob-Basar zu

Der Markt bietet eine Fülle an Fotomotiven

Echte Hingucker sind die vielen Melonenstände

Die Auswahl an Obst ist riesig

Ein letzter Blick auf den Siyob-Basar, auf dem vor allem morgens viel los ist

4. Nekropole Shah-i-Sinda

Vom Siyob-Basar ist es nicht mehr weit bis zur Nekropole Shah-i-Sinda (auch Schah-i-Sinda). Die Gräberstraße mit ihren reich mit Fliesen verzierten Mausoleen zählt zu meinen persönlichen Highlights in Samarkand. Die Atmosphäre an diesem spirituellen Ort ist wirklich einzigartig, und ich könnte dort Stunden verweilen. Auf den Hügeln dahinter befindet sich ein riesiger, sehenswerter Friedhof.

Mein persönliches Highlight in Samarkand: die Nekropole Sha-i-Sinda

Reich mit Fliesen verzierte Mausoleen

Die Atmosphäre in Sha-i-Sinda ist wirklich einzigartig

In jedem dieser Mausoleen wurden bedeutende Persönlichkeiten begraben

Auf den Hügeln hinter Sha-i-Sinda befindet sich ein riesiger, sehenswerter Friedhof

Nach den vielen Besichtigungen gehe ich in das zweistöckige Restaurant an der Hauptstraße gegenüber vom Registan, in dem fast nur Einheimische sitzen. Bei Bier und dem usbekischen Nationalgericht Plov, einer Art Reispfanne, fühle ich mich wie jemand, der nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt und zufrieden den Abend genießt.

5. Ausflug von Samarkand nach Shahrisabz

Am nächsten Tag führt ein lohnenswerter Ausflug von Samarkand 100 Kilometer südlich nach Shahrisabz. In der Geburtsstadt des ehemaligen Herrschers Amir Timur können die Ruinen seines Palastes Ak-Sarai besichtigt werden – ebenso wie die schöne Kok-Gumbas-Moschee mit ihrer markanten, blauen Kuppel sowie ein großer, interessanter Basar.

Die landschaftlich schöne Fahrt von Samarkand nach Shahrisabz führt durchs ländliche Usbekistan über einen Gebirgspass. Unterwegs überqueren immer wieder Rinder, Schafe und Esel die Straße, und Bauern verkaufen Obst und Gemüse.

Ein Taxi inklusive Wartezeit kostet ab Samarkand je nach Verhandlungsgeschick zwischen 30 und 40 Euro. Der Ausflug nach Shahrisabz ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. Die Haltestelle für Sammeltaxis befindet sich vor dem Supermarkt gegenüber dem Registan.

Ein lohnenswerter Ausflug führt ins 100 Kilometer entfernte Shahrisabz. In der Geburtsstadt des ehemaligen Herrschers Amir Timur können die Ruinen seines Palastes Ak-Sarai besichtigt werden…

… ebenso wie die schöne Kok-Gumbas-Moschee mit ihrer markanten, blauen Kuppel

Im Innenhof der Kok-Gumbas-Moschee in Shahrisabz

Usbekisches Brot auf dem Basar in Shahrisabz

Nur wenige Touristen unternehmen den Ausflug nach Shahrisabz. Auf dem Basar freuen sich die Menschen über ausländische Besucher

Auf dem Markt in Shahrisabz

Usbekistan ist das Land der Melonen

Unterkünfte in Samarkand

Neben Buchara ist Samarkand der am meisten von Ausländern besuchte Ort in Usbekistan. Entsprechend vielfältig sind die Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Art Touristenviertel gibt es nicht. Stattdessen verteilen sich die Hotels über die ganze Stadt. Eine große Auswahl an Unterkünften verschiedener Preisklassen gibt es unter anderem bei Booking.com* und Agoda*.

Ich wohne im empfehlenswerten Hotel Dilshoda*. Dessen Lage ist praktisch. Es befindet sich direkt am Gur-Emir-Mausoleum, in dem Amir Timur begraben liegt, und nur weniger als einen Kilometer vom Registan entfernt. In der Nähe gibt es noch weitere Budgetunterkünfte, die auf den ersten Blick ansprechend erscheinen, zum Beispiel das B&B Emir*.

Meine Unterkunft befindet sich keine 100 Meter entfernt vom Gur-Emir-Mausoleum

Im Gur-Emir-Mausoleum liegt Amir Timur begraben

Anreise und Weiterreise Samarkand

Von Samarkand bestehen gute Verbindungen zu allen Touristenzielen Usbekistans. Busse und Sammeltaxis benötigen sowohl nach Taschkent als auch nach Buchara je rund vier Stunden.

Fast täglich gibt es Flüge mit Uzbekistan Airways von Samarkand (IATA-Code: SKD) nach Taschkent (TAS). Aufgrund der kurzen Reisezeiten mit anderen Verkehrsmitteln bringt das Fliegen dieser Strecke keinen Vorteil. Generell suche ich passende Flüge am liebsten bei Skyscanner*. Dort lassen sich nicht nur die besten Langstreckenverbindungen, sondern auch gute Angebote regionaler Billigflieger finden.

Flugverspätung? Flugausfall? Flightright* hilft bei der Durchsetzung von Fluggastrechten – und sorgte dafür, dass uns die Airline eine Entschädigung zahlte. Ein Erfahrungsbericht.

Bequem ist die Reise mit der Bahn. Die täglichen Expresszüge „Sharq“, „Registan“ und „Nasaf“ benötigen dreieinhalb Stunden in die Hauptstadt. Der Hochgeschwindigkeitszug „Afrosiyob“ (auch „Afrosiob“) schafft die Strecke sogar in nur gut zwei Stunden. Schnellzüge nach Buchara brauchen rund drei Stunden.

Der Hochgeschwindigkeitszug „Afrosiyob“ (auch „Afrosiob“) schafft die Strecke von Samarkand nach Taschkent in nur gut zwei Stunden

Der Bahnhof von Samarkand ist gesichert wie ein Flughafen. Bevor Passagiere ihren Zug überhaupt zu Gesicht bekommen, müssen sie diverse Pass-, Fahrkarten- und Gepäckkontrollen über sich ergehen lassen.

Schon im Zug von Buchara nach Samarkand lerne ich Mar und Nuria aus Barcelona kennen. Sie wollen wie ich gleich nach der Ankunft Tickets für die Weiterreise nach Taschkent zwei Tage später kaufen. Am Fahrkartenschalter haben wir es mit sowjetisch-kommunistisch geprägter Arbeitsmoral zu tun. Wir warten an Schalter Nummer zwei. Als wir endlich dran sind, sagt die spaßbefreite Dame in Uniform mit ernster Miene: „Tashkent? No!“ – und zeigt mit dem Finger auf Schalter Nummer eins. Dort klappt es schließlich mit der auf einen Zettel geschriebenen Wunschverbindung.

Im Zug nach Samarkand lerne ich Mar (l.) und Nuria aus Barcelona kennen

Im „Sharq Express“ von Samarkand nach Taschkent

Auslandsreisekrankenversicherung

Wichtig! Unbedingt eine gute Auslandsreisekrankenversicherung abschließen, zum Beispiel von TravelSecure*, dem Testsieger bei Stiftung Warentest. Die Kosten dafür sind überschaubar. Aber falls wirklich etwas Ernsthaftes passiert, wird es schnell sehr teuer.

Reiseführer Usbekistan

Mit zunehmender Beliebtheit von Usbekistan steigt auch die Auswahl an Reiseliteratur. Die meisten Touristen sind mit dem englischsprachigen „Lonely Planet Central Asia Multi-Country Guide“* unterwegs. Dieser bietet die besten praktischen Informationen. Sinnvoll sind die übersichtlich präsentierten Zusammenfassungen und Wertungen der einzelnen Orte.

Auf Deutsch gibt es das aktuelle „DuMont Reise-Handbuch Usbekistan“*. Es enthält eine Fülle an Informationen zu Land und Leuten sowie zu allen wichtigen touristischen Regionen. Mir persönlich sind es manchmal einfach zu lange Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten. Aber besser zu viel als zu wenig. Ebenfalls aktuell ist der „Reiseführer Usbekistan: Entlang der Seidenstraße nach Samarkand, Buchara und Chiwa“* aus dem Trescher-Verlag.

Zum Abschluss ein Selfie vor dem Registan in Samarkand

Warst Du schon in Usbekistan? Wie hat es Dir gefallen?

Text und Fotos: Heiko Meyer

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8 Gedanken zu „Seidenstraße in Usbekistan: Fünf Highlights in Samarkand

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  2. Jimmy

    Hi,
    tolle Infos und Bilder.
    Du warst vor dem „Sharq Taronalari“ in Samarkand wenn ich das richtig verstehe oder? Würde heuer evtl. hin kommen, und mehr oder weniger direkt zum Festival (oder ein Tag davor/danach) in Samarkand sein.
    Wie stark die Behinderungen dadurch sind, bzw. ob das sogar interessant sein könnte kannst du vermutlich auch nicht wirklich beantworten oder?
    Schönen Gruß

    Antworten
    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Jimmy,

      danke für Deinen netten Kommentar. Ja, ich war kurz vor dem Festival dort. Erst hieß es, dass Touristen den Registan-Platz wegen der Proben gar nicht besuchen können, was mich ziemlich geärgert hätte. Am Ende hatten wir eine Stunde Zeit. Aber selbst wenn nicht: Für den „Panoramablick“ mit allen drei Gebäuden musst Du das Gelände gar nicht betreten. Den gibt es gratis von draußen. Wahrscheinlich ist die Zeit des Sharq Taronalari sogar sehr gut für einen Besuch. Auf den Straßen dürfte viel los sein. Vielleicht bzw. bestimmt kriegst Du kurzfristig noch ein Ticket. Eine Musikvorführung vor dieser Kulisse ist sicher ein tolles Erlebnis. So oder so: Es gibt in Samarkand noch einiges mehr zu sehen als „nur“ den Registan. Einizig die Unterkunftssituation dürfte während dieser Zeit etwas angespannt sein.

      Usbekistan lohnt sich!

      Viele Grüße und gute Reise,
      Heiko

      Antworten
  3. Bernd Stubenvoll

    Hallo Heiko,

    ich bin gestern aus Usbekistan zurückgekommen und finde Deine Beschreibung und die Auswahl der Bilder als gelungen. Ich bin nicht der große Architekturexperte, darum hat mich die etwas übertriebene Restaurierung nicht gestört. Wir waren nur 2 Tage in Samarkand, deshalb kam der Besuch des Basars leider zu kurz. Stattdessen hatten wir das Glück durch einen Verwandten als Tourist die Hälfte des Sommer Musikfestivals live zu erleben und waren von dem Gebotenen zutiefst beeindruckt.
    Usbekistan ist auf jeden Fall eine Reise wert.

    Antworten
    1. Heiko Meyer Artikelautor

      Hallo Bernd,

      danke für Dein Lob – nachdem Du Samarkand mit eigenen Augen erlebt hast ;-) Ja, das Festival muss sehr beeindruckend sein. Umso besser, dass Du dabei warst.

      Usbekistan ist auf jeden Fall eine Reise wert! Und noch nicht so „überlaufen“.

      Viele Grüße,
      Heiko

      Antworten
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