Indonesien: Mit dem Flugzeug nach West-Papua

Wer mit dem Flugzeug nach West-Papua ganz in den Osten Indonesiens reist, muss sich auf unsichere Airlines, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und hohe Preise einstellen.

Über Nacht geht der Flug von Surabaya auf Java nach Jayapura ganz im Osten Indonesiens. Die Stadt liegt in der Provinz West-Papua auf der Insel Neuguinea – der zweitgrößten der Welt. Dichte Wolken versperren die Sicht auf den Sentani-Airport, als der Pilot die Landung ankündigt. Durch das Flugzeugfenster ist außer Grau nichts zu sehen. Erst kurz vor dem Aufsetzen werden die Umrisse einer Bergkette und ein paar Häuser sichtbar.

Es regnet stark, als die Tür der Merpati-Maschine sich öffnet. Bei diesem Wetter kommt ein Weiterflug zu meinem Ziel Wamena ins Herz von Papua nicht infrage. Zumal viele der Airlines, die diesen Teil Indonesiens bedienen, wegen Sicherheitsmängel auf der Schwarzen Liste der Europäischen Union stehen. Und schließlich geschehen die meisten Flugunfälle im Land aufgrund des schwierigen Terrains und des sich ständig ändernden Wetters in dieser Region.

Ein Flugzeugabsturz in West-Papua am selben Tag

Tatsächlich ereignet sich genau an diesem Tag in West-Papua ein Flugzeugabsturz. Alle 27 Menschen kommen dabei ums Leben, als eine weitere Maschine der staatlichen Fluggesellschaft Merpati auf dem Weg von Sorong nach Kaimana beim Landeanflug etwa 500 Meter vom Flughafen entfernt ins Meer stürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks war das Wetter schlecht – so wie bei uns. Von all dem erfahre ich zum Glück erst später.

„Nach wie vor ist Umsicht geboten bei Aufenthalten in Regionen mit ethnischem oder religiösem Konfliktpotential wie Aceh und Papua“, betont das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen. Aufgrund von Spannungen zwischen der indonesischen Zentralregierung und den für Unabhängigkeit kämpfenden Papuas gelten besondere polizeiliche Vorschriften und Beschränkungen. Für die meisten Orte benötigen ausländische Besucher eine Reisegenehmigung, das sogenannte Surat Jalan. Zudem müssen sich Touristen in jedem Ort innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Ankunft bei der Polizei melden.

Drei christliche Missionare warten schon

Mit dem Taxi fahre ich durch den Regen zur außerhalb der Flughafenstadt Sentani gelegenen Polizeistation. Sie stellt dieses Surat Jalan aus. Drei christliche Missionare aus den USA warten schon, aber niemand von der Behörde lässt sich blicken. Zahlreiche Kirchen, Geschäfte mit Namen wie „Betlehem“ und Fluggesellschaften, die Adventist´s Aviation oder Associated Mission Aviation heißen, zeugen vom religiösen Eifer der Christen. Wir kommen ins Gespräch und machen uns die Wartezeit so angenehm wie möglich. Schließlich tauchen die Beamten doch noch auf. Einem davon schiebt einer der Amerikaner einen 100.000-Rupien-Schein, gut acht Euro, zu und bittet um zügige Bearbeitung unserer Anliegen. Nach zwei Stunden halte ich schließlich das benötigte Formular mit allen Stempeln und Unterschriften in der Hand.

Wassertropfen kleben auf Blüten und funkeln wie Diamanten. Es regnet nicht mehr. Das Wetter bessert sich, und der Flug nach Wamena wurde um zwei Stunden vorverlegt. In der Wartehalle des Flughafens schaue ich erstmals in Ruhe in die dunklen Gesichter der Papuas mit ihrem krausen Haar. Die andere Hälfte der Wartenden sind muslimische Javanesen. Viele von ihnen wanderten im Rahmen des von der Regierung initiierten Transmigrasi-Programms ein. So sollen Menschen aus überbevölkerten Gebieten in weniger besiedelten Regionen des Landes heimisch werden – nicht immer mit dem Einverständnis der ursprünglichen Bewohner.

In West-Papua genieße ich Prominentenstatus

In West-Papua genieße ich Prominentenstatus. So manche zücken bei meinem Anblick ihr Mobiltelefon und bitten um ein gemeinsames Foto. Auf dem Flughafen steckt mir die Putzfrau ihre Telefonnummer zu, ebenso wie die Sitznachbarin im Flugzeug.

Jayapura ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt in West-Papua. Auf der Anzeigetafel stehen Flüge zu Orten, von denen ich noch nie zuvor gehört habe. Nach Oksibil etwa, oder nach Tiom, Mulai und Dekai.

Nur zwei kleine Siedlungen im sonst undurchdringlichen Dschungel

Tote Insekten zwischen den Fensterscheiben, Sitze mit ranzigem Leder, generell innen ein heruntergekommener Eindruck: In Europa würde man so ein altes Flugzeug verschrotten oder ins Museum stellen. Aber der Start mit der in die Jahre gekommenen Propellermaschine ist geglückt. Die halbe Miete. Eine Stunde dauert der Flug von Jayapura nach Wamena ins Baliem-Tal. Während dieser Zeit zeigen sich durch das Fenster nur zwei kleine Siedlungen im sonst undurchdringlichen, nur von Flüssen unterbrochenen Dschungel.

Endlich in Wamena! Diese Maschine pendelt mehrmals täglich zwischen Jayapura und der Stadt im Baliem-Tal

Gleich nach der Ankunft in Wamena wird eins klar: Die Stadt ist kein billiges Pflaster. Weil es keine Straßen dorthin gibt, muss alles eingeflogen werden: von Lebensmitteln über Baumaterial bis hin zu Fahrzeugen und Benzin. Und jeder, der ein Auto oder Motorrad sein Eigen nennt, verlangt von mir absurde Preise für den Transport.

Als einziger Neuzugang mit heller Haut genieße ich die volle Aufmerksamkeit der anwesenden Touristenführer, sogenannter Guides. Sie sind höflich, aber folgen mir auf Schritt und Tritt. „Reisen in diese Gebiete sollten nicht ohne ortskundige Begleitung unternommen werden“, empfiehlt das Auswärtige Amt. Früher oder später muss ich mich also für jemanden entscheiden…

Text und Fotos: Heiko Meyer

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